Öffentlicher Dienst
Die Saat geht auf

  • 0

Maßlos! Ignorant! Unverantwortlich! Die neue Gehaltsforderung für den öffentlichen Dienst erfüllt auf den ersten Blick wieder alle Voraussetzungen, die es für einen Aufschrei des Entsetzens über realitätsferne Gewerkschaften braucht. Auch wenn die Öffentlichkeit mittlerweile durch noch höhere Forderungen von Lokführern und anderen selbst ernannten Elitegruppen etwas abgestumpft ist – acht Prozent sind im Bereich eines Flächentarifs noch immer eine markante Größe.

Zum Vergleich: Selbst in der Stahlindustrie, deren wirtschaftliche Lage wohl besser ist als die der öffentlichen Hand, hat die IG Metall keinen höheren Anspruch angemeldet. Insofern müssen sich Verdi und Beamtenbund schon fragen lassen, ob sie die Realitäten noch im Blick haben. Ihr Argument, dass Arbeit beim Staat gerade für gut qualifizierte Einsteiger wieder attraktiver werden müsse, ist nur wenig überzeugend. Denn zur Forderung nach einer überproportionalen Anhebung der unteren Lohngruppen für einfachere Tätigkeiten passt es nicht.

Tatsächlich folgt die Forderung jener gefährlichen Umverteilungslogik, die sich hierzulande im Zuge taktischer Debatten um Mindestlöhne und höhere Sozialtransfers zunehmend etabliert. Das freilich sollten vor allem jene Vertreter der Großen Koalition bedenken, die nun die Gefahren für die öffentlichen Kassen beschwören. Wer Politik als Verteilen von Wohltaten zelebriert, darf nicht erwarten, dass ausgerechnet Verdi-Chef Frank Bsirske den Kampf für eine neue Bescheidenheit führt. Eins sollten die Gewerkschaften trotzdem im Blick behalten: Bei den Kommunen ticken die Uhren nach wie vor anders als in der stimmungsgeladenen Bundespolitik. Überziehen sie mit ihren Forderungen, wird daraus leicht der finale Todesstoß für den ohnehin schon lädierten Flächentarif des öffentlichen Dienstes.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Öffentlicher Dienst: Die Saat geht auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%