Ölversorgung
Wenig Reserven

Aus Sorge vor einem Angebotsüberschuss haben die elf Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) innerhalb weniger Wochen die zweite Reduzierung ihrer Produktion angekündigt. Das wichtigste Kartellmitglied Saudi-Arabien will damit einen „fairen und stabilen“ Erdölpreis verteidigen.

Unter Berücksichtigung der Abwertung des Dollars im Herbst haben die Saudis ihre preispolitische Orientierungsspanne von 50 bis 60 Dollar pro Barrel zum oberen Ende hin erhöht. Die Opec will die Lagervorräte insbesondere in den Industrieländern nicht zu groß werden lassen, weil sonst bei einem milden Winter auf der nördlichen Halbkugel spekulative Baisse-Polster drohen. Dies könnte dann spätestens im Frühjahr einen kräftigen Rückgang der Rohölnotierungen einläuten.

Obwohl die Opec im Vergleich zu den 70er- und 80er-Jahren die Weltölmärkte heute wesentlich weniger stark kontrollieren kann, so ist sie wohl immer noch mächtig genug, um einem Einbruch der Ölpreise vorbeugen zu können. Während in den 90er-Jahren die Ölimporteure am längeren Hebel saßen, hat sich in den letzten Jahren wieder ein Verkäufermarkt entwickelt. Grund hierfür ist der starke Anstieg des Ölverbrauchs vor allem in China und in anderen Schwellenländern. Zudem wurden gegen Ende der letzten Dekade Investitionen in neue Förderkapazitäten zunächst verschoben. Dies bescherte auch der Ausrüstungsindustrie einen kräftigen Rückschlag.

Der innerhalb von acht Jahren von knapp 15 auf zeitweise über 70 Dollar je Barrel gestiegene Ölpreis hat zwar eine Änderung der Investitionspolitik eingeläutet. Allerdings gibt es eben gravierende Engpässe in der Ausrüsterindustrie. Hinzu kommt, dass die Mitgliedsländer der Opec, aber auch Russland, immer höhere Zugangsbarrieren für die international agierenden Mineralölgesellschaften aufgebaut haben.Staatliche Ölfirmen kontrollieren heute rund 80 Prozent der weltweit nachgewiesenen Erdölvorräte. Deshalb kann die internationale Ölindustrie nur in solchen Regionen investieren, wo Öl mit relativ hohem finanziellem Einsatz gefördert werden kann. Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren stark gestiegenen Ölverbrauchs stehen daher nur geringe Kapazitätsreserven bereit, um für den Fall unerwarteter Lieferausfälle, beispielsweise als Folge von Naturkatastrophen, preisstabilisierende Puffer bereitstellen zu können.

Die Furcht der Opec vor einem kurzfristigen Verfall der Ölpreise liegt in den Erfahrungen aus der Vergangenheit begründet. So kam es früher jeweils im Frühjahr häufig zu nicht mehr kontrollierbaren Preisabschwächungen. Der Grund: eine Kombination aus saisonalem Rückgang des Verbrauchs, relativ hohen Lagervorräten und ausreichend freien Pufferreserven. Die internationalen Ölmärkte waren insgesamt gut versorgt. Dies hat sich inzwischen allerdings grundlegend geändert. Sollten sich die Weltkonjunktur und dann auch der Ölverbrauch weiterhin auf relativ hohem Niveau stabilisieren, bleiben die Märkte kurzfristig auf Verknappung programmiert. Die Mehrzahl der Experten geht davon aus, dass sich erst etwa ab dem Jahr 2010 auf Grund der dann marktwirksam werdenden Investitionen in neue Kapazitäten wieder eine Tendenz in Richtung Käufermarkt abzeichnen könnte. Allerdings klammert diese Prognose die politischen Risiken im Nahen Osten aus.

Es spricht daher einiges dafür, dass die internationalen Ölmärkte auch mittelfristig für Preisturbulenzen anfällig bleiben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in wichtigen Förderregionen der Produktionshöhepunkt schon erreicht ist oder bald bevorsteht. Der Welt geht dann das Öl zwar noch nicht aus, doch müssen sowohl nicht-konventionelle Öle schwererer Art, die aus Schiefer und Sanden gewonnen werden, als auch Biorohstoffe mit hohen Angebotskosten mobilisiert werden. Das Zeitalter des billigen Erdöls neigt sich damit mit Sicherheit dem Ende zu. Sollte der internationale Ölverbrauch wie zuletzt um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr steigen, dann könnte es selbst ohne eine militärische Eskalation im Nahen Osten zu vorübergehenden Versorgungsengpässen kommen. Nur wenn die Opec-Staaten oder Russland ihre Explorationsgebiete stärker für ausländisches Know-how und Kapital öffnen, lässt sich diese Gefahr wenigstens bis Mitte der nächsten Dekade begrenzen.

Je schwächer der internationale Ölverbrauch zunimmt, desto leichter können preistreibende Verknappungen verhindert werden. Die Aussichten für eine Stabilisierung der Ölpreise sind nicht zuletzt deshalb günstig, weil weitere Lieferländer wie Angola und der Sudan dem Ölkartell beitreten wollen.

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