Opel und GM
Ein altes, zerstrittenes Paar

General Motors ist ein Schaumschläger von Obamas Gnaden. Der US-Staatskonzern bietet aber Schutz vor dem Untergang, auch für Opel.
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Auch auf die Gefahr hin, wütende Protestschreiben von Bochum über Eisenach bis Rüsselsheim zu provozieren: Das alte und heillos zerstrittene Ehepaar General Motors/Opel sieht gesünder aus, als man sich die Multikulti-Familie Magna/Sberbank/Opel je malen könnte. Die Autoindustrie steht mit ihren hohen Überkapazitäten weltweit vor einem Verdrängungskampf, den regional operierende Hersteller kaum überleben können - schon gar nicht, wenn ihnen nur Geschäfte von Deutschland bis Russland erlaubt sind (wie beim Magna-Deal vorgesehen).

GM indes hat noch immer jene kritische und globale Unternehmensgröße, von der Magna, Fiat, Chrysler, Opel und viele andere nur träumen: Der vorübergehend verstaatlichte Konzern ist Marktführer in den USA (neuerdings kostenmäßig verschlankt), präsent in China und deckt mit Opel, Vauxhall und Chevrolet seit Jahrzehnten den europäischen Kontinent ab, wenn auch sanierungsbedürftig. In den USA ist der Konzern einen großen Schritt weiter: Die Bilanzschulden liegen nach der Insolvenz deutlich niedriger als beim Rivalen Ford, und die Modellpalette ist immerhin insoweit verschlankt und aufgehübscht, dass der seit Jahren schwindsüchtige Marktanteil nicht weiter erodiert.

GM ist für Opel gewiss ein ungemütlicher und mehr denn je verhasster Eigner, aber auch ein vergleichsweise sicherer: Wer mit 50 Mrd. Dollar US-Steuergeld Muskeln zeigt, ist zwar ein Schaumschläger von Obamas Gnaden. Das Polster bietet aber auch Schutz in unsicherer Zeit: für hunderttausende Mitarbeiter rund um Detroit und einige tausend in Deutschland.

Der US-Steuerzahler sitzt mit irren Beträgen im Boot, deshalb darf und wird GM bei der fälligen Marktkonsolidierung nicht untergehen. Der US-Nachbar Chrysler, finanziell wie technologisch ausgebrannt, hält inzwischen die viel schlechteren Karten: Wenn Chrysler in absehbarer Zeit weichen müsste, worauf immer mehr Branchenexperten spekulieren, hätte GM im weltgrößten Automarkt deutlich mehr Luft zum Atmen.

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  • ich komme aus bochum, mein Vater arbeitet für OPEL seit vielen Jahren am band und kennt so manche Geschichten aus der Ehe GM/OPEL. Aber er wunderte sich von beginn an über die Anbiederung an Magna und konnte es sich, in meinen Augen zurecht, nur so erklären: Die ganzen Lautsprecher, insbesondere vom betriebsrat in Rüsselsheim, haben sich schon lukrative Posten gesichert im Magna-Umfeld und müssen nun zittern.
    Und eins hat sich nun doch bewahrheitet und gilt auch für die Zukunft von GM/OPEL: TOO biG TO FAiL!

  • @ Christian [1]
    Sie haben völlig Recht. Vielleicht lernen die amerikanischen industrieunternehmen endlich, daß man auch Marktprodukte, die einen Konsumentenmarkt bedienen sollen, weiterentwickelt werden müssen. Die deutschen Automobilhersteller haben in den achtziger Jahren das Fürchten gelernt, als die Japaner mit kostengünstigen innovationen die marktanteile dramatisch erhöhten. Die Amerikaner sind auf dem technischen Stand von 1980 und wollten alles über den Preis machen. Dabei ist jedes amerikanische Auto von Vornherein mit mehreren 1000 $ Sozialabgaben für die Pensionäre belastet.

  • GM hat Opel an den Rand des Abgrunds gebracht, aber ich stimme dem Text zu: Nur GM kann das Opel retten oder anders gesagt: Ohne Opel hat GM keine Zukunft. Den in Zukunft wird GM kleine, innovative und umweltfreundliche Wagen benötigen. Die hat Opel und sogesehen, kann die Wende in Detroit nur als ein gutes Signal für Opel verstanden werden. Und auch für den Steuerzahler ist das gut. Die Mrd. die wir GM geben sind sicherer, als die 4,5 für Magna/Sberbank. Hat wirklich jmd. Zutrauen in einen angeschlagenen Zulieferer (VW und bMW haben zudem mit Auftragsstornos gedroht) mit einem maroden russischen Partner gehabt???

    Dann doch lieber GM. Wir sollten den Amerikanern die Füße küssen.

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