Pakistan
Kommentar: Blanke Nerven

Jetzt hat die pakistanische Opposition ihren Helden. Dass Pakistans Präsident Pervez Musharraf seinen Rivalen Nawaz Sharif bei der Rückkehr aus dem Exil gleich wieder ins nächste Flugzeug setzen ließ, zeigt wie blank dessen Nerven liegen.
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Musharraf steht politisch mit dem Rücken zur Wand. Seine Angst von Sharif um die Macht gebracht zu werden ist größer noch als der Respekt vor der Verfassung, denn Pakistans Oberste Richter hatten Sharif die Rückkehr aus dem Exil ausdrücklich genehmigt. Aber mit denen war Musharraf bereits mehrfach an einander geraten.

Man mag darüber streiten, ob der selbst ernannte Retter Sharif tatsächlich der richtige Mann für Pakistan ist. Immerhin war seine Amtszeit von Korruption und Skandalen geprägt. Doch in der Bevölkerung ist er populär, denn die ist die Macht der Militärs leid. Daher dürfte Musharraf auch der bevorstehende Pakt mit Benazir Bhutto, der ehemaligen Ministerpräsidentin, die ebenfalls im Exil lebt, nur vorübergehend Luft verschaffen.

Was Pakistan dringender braucht als Machtkämpfe geschasster Ministerpräsidenten mit einem Präsidenten, der für das Land keine griffigen Konzepte mehr hat, ist Ruhe und Stabilität. Doch beides scheint angesichts des Pakts zwischen Musharraf und Bhutto ferner denn je. Die Anhänger Sharifs werden ihren Protest nun auf der Straße austragen und Musharraf neben vielen anderen ungelösten Problemen ein weiteres hinzufügen, denn die Absprache mit Bhutto höchst unpopulär. Verheißt sie doch den Militärs weiter den unangefochtenen Zugriff auf den Staat.

Doch solange die USA, die in Pakistan lediglich ein notwendiges Bollwerk gegen den Terror sehen, dem Pakt ihren Segen geben, dürfen die Militärs weiter ungehindert schalten und walten. Ein schwarzer Tag für die Demokraten im Land.

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