Pendlerpauschale
Umweltpolitische Geisterfahrer

Die Wahlkämpfer reagieren reflexartig auf die steigenden Benzinpreise: Die Autofahrer sollen durch eine höhere Pendlerpauschale entlastet werden. Dafür spricht nichts - aber vieles dagegen.
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Jetzt spielen sie sich wieder als Retter der gebeutelten Autofahrer auf. Politiker von CDU und FDP geißeln die Preispolitik der Mineralölkonzerne, planen politische Maßnahmen gegen steigende Spritpreise und fordern die Erhöhung der Pendlerpauschale. Sogar FDP-Chef Philipp Rösler gibt den mitfühlenden Liberalen: „Angesichts der Kosten müssen wir auch an diejenigen denken, die unter den hohen Benzinpreisen besonders leiden.“

Doch die Politiker kommen trotz allem an der Wirklichkeit nicht vorbei. Und die besagt, dass ein großer Teil des Benzinpreises aus Steuern besteht: Pro Liter Superbenzin sind es zurzeit 65 Cent Mineralölsteuer und rund 25 Cent Mehrwertsteuer. Einer der größten Preistreiber an der Tankstelle ist also der Staat – und das nicht irgendwie zufällig, sondern mit voller Absicht.

Es mutet ohnehin schon surreal an: Da zieht die Politik dem Autofahrer mit der Mineralölsteuer auf der einen Seite kräftig Geld aus der Tasche – nur um es ihm mit der Pendlerpauschale wieder in die andere Tasche zu stecken. Und als wäre das nicht schon steuersystematisch unsinnig genug, wird nun ernsthaft überlegt, die Pendlerpauschale wieder zu erhöhen, weil der Benzinpreis steigt.

Wenn es diesen Politikern wirklich ernst wäre mit der Entlastung der Bürger, müssten sie doch eigentlich die Mineralölsteuer senken. Dass darüber keiner nachdenkt, spricht Bände. Und es sendet ein fatales Signal an die Mineralölkonzerne: Erhöht ruhig die Preise, wir sorgen mit der Pendlerpauschale dafür, dass die Kunden auch in der Lage sind, den Sprit weiterhin zu bezahlen.

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Unerträglicher Populismus

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  • Das haben die Populismus Wahlkämpfer noch nicht" begriffen"
    das hier der Staat und die Spekulanten eingebremst werden
    müssen.Der Staat verdient am höheren Kraftstoff Preis.
    Die Spekulanten an den Rohstoff/Rohöl Börsen reiben sich die Hände.Dort will aber die FDP und auch die Wirtschaft
    freundliche Union nicht ran,da könnten ja Gelder ausfallen
    Für Wahlkampf oder für ein persönliches "Pflaster"


  • Die Abschaffungsvertreter gabs ja schon bei der letzten Debatte nach dem Gerichtsurteil diese zu erhalten.
    Es wohnt eben nicht jeder in der Stadt und steigt gleich vor der Haustür in den Bus oder die Bahn. Manche Familien arbeiten auch zu zweit an weit auseinanderliegenden Arbeitsplätzen, so wie ich zb.
    Es macht mir keine Freude in 2 PKW zu investieren, für beide extreme Benzinkosten zu bezahlen und jährlich mehr als ein Nettogehalt nur für Spritkosten zu bezahlen.
    Ausserdem gibt es eine Menge Pendler, die eben nicht morgens erst in Ruhe frühstücken, um dann um 8 Uhr mit dem Fahrrad richtung Büro zu pendeln, sondern auch Leute, die um 6 Uhr bereits anfangen zu arbeiten und sich mit den urbanen Stadtbewohner-Luxusproblemen nicht wirklich identifizieren können.
    Und die Politik handelt vor allem da unsinnig und wiedersprüchlich, wo sie vom Arbeitnehmer die Flexibilität fordert, auch weite Wege in Kauf zu nehmen um ein Einkommen zu generieren, aber gleichzeitig genau das kaum noch bezahlbar macht mit Steuern und dem Versuch die Pendlerpauschale zu kippen.
    Schönen Gruß von einem Penlder, der die zeit im Auto auch lieber zuhause verbringen würde.

  • Die Einstellung find ich gut. Als Alternativvorschlag:
    Überleg dir mal ein E-bike bzw. Liegefahrrad mit Motor zuzulegen, es gibt welche mit denen man 45 km drauf bekommt. Da ist man in einer Stunde bei der Arbeit. Gut man braucht ein bisschen länger als mit dem Auto, hat aber auch gleichseitig Sport gemacht, hat somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

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