Plastiktüten-Verbannung
Das geht noch besser

Für ihr schwaches Versprechen, Plastiktüten an der Kasse nicht mehr kostenlos anzubieten, erntet die Drogeriekette dm euphorisches Lob. Die Plastiktüte ist die Mülltrennung des 21. Jahrhunderts. Und es geht noch mehr.
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Die Vorstellung, mir jetzt an meinem Schreibtisch eine Zigarette anzuzünden, kommt mir heute ungefähr so seltsam vor, wie mich jedes Mal besonders schick anzuziehen wenn ich in ein Flugzeug steige oder Bananenschale und Joghurtbecher in ein und denselben Mülleimer zu schmeißen.

Ich bin immer wieder davon begeistert, wie sich die Dinge ändern und wie absurd manch einst Alltägliches beim Blick auf die Gegenwert erscheint. Auch beim Thema Plastiktüten kann man diesen Wandel beobachten: Vor wenigen Jahren noch packte man seinen Einkauf in drei, vier, fünf Plastiktüten, großzügig gesponsert vom Supermarkt. Heute setzt man ohne Klappkorb, Jutebeutel oder Ikea-Tragetasche keinen Fuß mehr in den Lebensmittelladen. Wiederverwendbar soll es sein, nachhaltig.

Doch die ehrgeizigen Deutschen wollen mehr. Ihre euphorische Reaktion auf das schwache Halbversprechen der Drogeriemarktkette dm, Plastiktüten an der Kasse nicht mehr kostenlos anzubieten (aber nur, wenn die Filialbetreiber das auch wollen), zeigt das. Was wir machen, machen wir richtig. Das gilt auch, aber nicht nur beim Umweltschutz. Das letzte Beispiel war die Mülltrennung, die wir zur Perfektion gebracht haben, sie ist inzwischen eine Wissenschaft.

Die unverbindliche Verbannung der kleinen Abreißtüten ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Perfektion. Ich bin sicher, dass es in Deutschland bald gänzlich verpönt sein wird, mit Plastiktüte aus dem Laden zu gehen. Akzeptiert sein werden dann nur noch mehrfach recycelte dunkelbraune Papiertüten. Was die Deutschen machen, machen sie richtig.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Plastiktüten-Verbannung: Das geht noch besser"

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  • Da sollte man sich noch rechtzeitig und reichlich Tragetaschen besorgen.
    Bei den Glühlampen hat das ja auch funktioniert...
    Nö, Spaß beiseite, ich habe seit mind. 20-25 Jahren immer 2 große Körbe und Kartons im Auto, in die der Einkauf vom Einkaufswagen aus umgeladen wird.
    Einfacher geht nicht!

  • Müllvermeidung ist angesagt.

    Einfach die kostenlose Abgabe von Plastiktüten als Straftatbestand aufnehmen, und das Problem der Umweltbelastung ist gelöst.

    Aber bitte keine Pfand auf Plastiktüte wie bei Plastikflaschen, das wäre das falsche Signal.

  • ....doch die wenigsten wissen, dass Ihr getrennter Müll hinterher (zumindest gelber Sack und Restmüll) wieder in der Müllverbrennungsanlage vereint werden - warum auch nicht!

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