Premiere
Irrweg namens Sport

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Der Abschied von Premiere fällt Vorstandschef Georg Kofler leicht. Seit Monaten hatte der Südtiroler die Lust an der Führung des krisengeschüttelten Bezahlsenders verloren. Doch finanziell hat sich sein Engagement gelohnt. Mehr als 100 Millionen Euro, so berichten Insider, hat Kofler vor allem durch seine Aktienverkäufe verdient. Kofler hinterlässt das Münchener Pay-TV-Unternehmen in einer schwierigen Zeit. In wenigen Monaten steht das Pokerspiel um die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga an. Sein Traum, mehr Premiere-Abonnenten zu bekommen, indem er der ARD-Sportschau den Todesstoß versetzt, hat wie schon vor Jahren derzeit keine Chance auf Verwirklichung. Eine erneute Niederlage wie Ende 2005 wollte sich Kofler jetzt nicht mehr antun.

Zuletzt waren die Zahlen von Premiere ernüchternd. Experten gehen davon aus, dass der Bezahlsender trotz seines Quasi-Monopols in diesem Jahr noch schlechtere Gewinne erwirtschaften wird. Ein schnelles Wachstum bei den Abonnentenzahlen ist in weite Ferne gerückt. Zudem hat der ehemalige Bundesliga-Sender Arena die Preise für das Pay-TV in Deutschland verdorben. Dem neuen Premiere-Chef Michael Börnicke stehen nun schwierige Monate bevor. Er braucht die Bundesliga mit mehr Exklusivität und zu einem fairen Preis. Der langjährige Finanzvorstand kennt das TV-Geschäft wie kein Zweiter. Während das Verkaufstalent Kofler sein Vertrauen am Kapitalmarkt weitgehend aufgebraucht hatte, hat sich Börnicke durch seinen sachlichen und geradlinigen Stil viel Glaubwürdigkeit erworben. Ob das aber ausreicht? Börnicke muss auch Premiere neu erfinden. Nur auf teure Sportrechte wie Fußball oder Formel 1 zu setzen hat sich als Irrweg erwiesen. Das ist die Lehre aus der Ära Kofler.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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