Private Equity
Nachhilfestunde

Den bislang vom Erfolg verwöhnten privaten Finanzinvestoren droht Widerstand von ungewohnter Seite. Haben sich die Private-Equity-Manager inzwischen daran gewöhnt, dass ihre Firmenkäufe von Gewerkschaften und Politik kritisch beäugt werden, so trifft sie jetzt ein Überraschungsangriff aus dem kapitalistischen Hinterhalt.

Erstmals weigern sich in Amerika große institutionelle Investoren, ihre Anteile an die Firmenjäger zu verkaufen, trotz einer Prämie auf den letzten Börsenkurs. So geschehen bei Clear Channel, dem größten US-Radiobetreiber. Auch beim New Yorker Kabelnetzbetreiber Cablevision lehnten die Aktionäre ein Angebot der Eigentümerfamilie ab. Einen Korb handelte sich kürzlich zudem die britische Investorengruppe 3i ein, als sie den landesweit führenden Immobilienmakler Countrywide übernehmen wollte. In allen drei Fällen fühlten sich die Anteilseigner der Unternehmen von den Käufern über den Tisch gezogen. Der gebotene Preis entspreche nicht dem Wert der Übernahmekandidaten, hieß es unisono. Man könnte das als das übliche Preisgeschacher bei Firmenübernahmen abtun. Die aktuellen Fälle weisen jedoch zwei Besonderheiten auf, die direkt auf das Herz des Private-Equity-Booms zielen. Zum einen scheiterten die Übernahmen, obwohl das Management der betroffenen Firmen einen Verkauf empfohlen hatte. Das kommt selbst im kapitalistischen wilden Amerika nicht alle Tage vor.

Die renitenten Anleger stellen eine zentrale Frage: Warum erwirtschaften private Finanzinvestoren mit ihren Investitionen Renditen von 20 Prozent und mehr, während das Management der übernommenen Firmen nur einstellige Werte erreichte, solange das Unternehmen noch an der Börse notiert war? Die Finanzinvestoren antworten mit dem Hinweis, ihre Experten verfügten über ein breites Wissen über zahlreiche Branchen. Sie könnten daher bei den aufgekauften Unternehmen die letzten Effizienzpotenziale heben. So berichtet der Chef des US-Softwarehauses Sungard, dass die Private-Equity-Manager den Einkauf des Konzerns deutlich verbessert hätten. „Wir konnten enorme Veränderungen durchsetzen und sind heute ein besseres Unternehmen“, so Christobal Conde. Die privaten Firmenjäger weisen zudem darauf hin, dass sie das Management ihrer Unternehmen stärker am Erfolg beteiligen würden, indem sie ihm einen Teil der Firma überlassen. Zugleich achten die neuen Hausherren jedoch mehr als herkömmliche Aktionäre darauf, dass ihre detaillierten Zielvorgaben eingehalten werden. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Notierung an der Börse sei, dass die privaten Eigentümer ihren Firmen mehr Zeit lassen und sich nicht dem Diktat von Quartalsergebnissen unterwerfen würden.

Für viele institutionelle Anleger ist das Private-Equity-Konzept offenbar so verlockend, dass sie selbst vor aberwitzigen Finanzmanövern nicht zurückschrecken. So berichtet Sungard-Chef Conde, dass sein Unternehmen nach dem „Going Private“ heute den gleichen Pensionsfonds gehöre wie vorher. Wie das? Erst bieten sie ihre Anteile an einem Unternehmen zum Verkauf, danach stecken sie das Geld in ei-nen Private-Equity-Fonds, der damit die gleiche Firma zurückkauft. Dies aber mit dem Unterschied, dass die Pensionskassen heute zwei Prozent Management-Gebühren und 20

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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