RAG-Börsengang
Überzogene Attacke

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Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist für seine klare und zuweilen derbe Polit-Rhetorik bekannt. Als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat er sich jahrelang darin trainiert, dem politischen Gegner verbal auf den Kopf zu hauen. Das jüngste Opfer des Bundeswirtschaftsministers ist sein Amtsvorgänger Werner Müller. Der ist zwar kein Mitglied bei den Sozialdemokraten, hat aber offenbar mit seinen Wünschen im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang der Ruhrkohle AG den Wirtschaftsminister mächtig erzürnt.

So will Glos – wie der Unionskollege und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auch – den RAG-Chef nicht nur als Vorsitzenden der noch zu gründenden Kohlestiftung verhindern, Müller soll nicht einmal die Führung für den dann privatisierten weißen Bereich des RAG-Konzerns übernehmen dürfen. Müllermeister Glos will den Müller einfach nicht. Diese neue Stufe der Eskalation im Streit um den Börsengang des RAG-Konzerns birgt nicht nur politisch unkalkulierbaren Sprengstoff, sie ist vor allem überflüssig und überzogen. So nachvollziehbar es ist, dass die Union einen mächtigen Ruhrbaron mit besten Kontakten zum ehemaligen SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder fürchtet, so unverständlich ist die neue Attacke aus dem Wirtschaftsministerium.

Sollte RAG-Chef Müller auf den Stiftungsvorsitz verzichten und sich mit der Leitung des weißen Bereichs aus Chemie, Energie und Immobilien abfinden, bräuchten weder Wirtschaftsminister Glos noch Ministerpräsident Rüttgers den industriepolitischen Einfluss des Herrn M. zu fürchten. Als Vorstandssprecher des privatisierten Teils der RAG würde Müller wie jeder andere Konzernlenker von einem Aufsichtsrat kontrolliert. Das sollte auch Glos wissen.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

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