SACHSEN
Verfall der Implantate

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Durch den Rücktritt von Georg Milbradt wird sich ganz heimlich, still und leise nur einer bestätigt fühlen: sein Vorgänger und Intimfeind Kurt Biedenkopf. Der hatte ihn 2001 mit der Bemerkung abfertigen wollen, Milbradt sei ein exzellenter Finanzfachmann, aber ein miserabler Politiker – was den Einzug des zweiten West-Implantats ins Amt des Ministerpräsidenten allerdings nicht mehr verhindern konnte. Sachsens CDU hatte die Nase voll von Biedenkopf. So ergeht es nun auch Milbradt.

Dessen schönste Zeit war schon vorbei, als er bei der Landtagswahl 2004 einen rekordartigen zweistelligen Verlust einfuhr. Was Biedenkopfs One-Man-Show lange überdeckt hatte, kam nun ans Tageslicht: Die sächsische Wählerschaft ist ebenso unbeständig wie die anderer ostdeutscher Bundesländer, machte die PDS zur zweitstärksten Partei und verschaffte der NPD einen Erfolg.

Nachdem dann auch noch die Landesbank in die Krise rutschte, war Milbradts Schicksal besiegelt. Die Beteuerung, damit habe er wirklich überhaupt nichts zu tun, war alles andere als eine überzeugende Krisenbewältigung. Seine Partei wäre 2009 auf keinen Fall erneut mit ihm als Spitzenkandidaten in die Landtagswahl gezogen.

Milbradts Nachfolger, Finanzminister Stanislaw Tillich, darf nun ein vergiftetes Erbe antreten. Da ist zunächst die Bürgschaft, die der LBBW eingeräumt wurde, im Gegenzug zu deren Bereitschaft, die SachsenLB zu übernehmen: Die Baden-Württemberger werden die Garantie in Anspruch nehmen, zulasten des sächsischen Landeshaushalts.

Darüber hinaus stellt sich die größere Frage, ob das frühere Erfolgsmodell Sachsen noch trägt. Seit das Vorzeigeunternehmen AMD angekündigt hat, es werde Stellen kürzen, klingt der Titel „Silicon Saxony“ albern und hohl: Man denkt an Silikon-Implantate, nicht an werthaltiges High Tech.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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