Schleichwerbung
Außer Kontrolle

Wegen in Deutschland unerlaubter Schleichwerbung steht der Münchener Filmkonzern Bavaria im Kreuzfeuer der Kritik. Bei den amerikanischen Filmstudios hingegen gehört die Vermischung von Reklame und Inhalten längst zum Alltag.

Hollywood, du hast es besser, mag sich mancher bei der Bavaria Film denken. Wegen in Deutschland unerlaubter Schleichwerbung steht der Münchener Filmkonzern im Kreuzfeuer der Kritik. Bei den amerikanischen Filmstudios hingegen gehört die Vermischung von Reklame und Inhalten längst zum Alltag. Schleichwerbung ist ein wichtiger Teil der Filmfinanzierung. Die Nachfrage wächst. Immer mehr Konzerne wollen sich nicht auf die herkömmliche TV-Reklame verlassen.

Beim Product-Placement spielt ausgerechnet Volkswagen eine Vorreiterrolle. VW-Chef Bernd Pischetsrieder reiste höchstpersönlich vor Monaten nach Los Angeles, um als weltweit erster Automobilhersteller einen entsprechenden Vertrag mit dem Mediengiganten NBC Universal zu unterzeichnen. Künftig wird der Autokonzern mit seinen Marken VW, Audi, Skoda, Lamborghini und Bentley in Filmen der Universal Studios präsent sein. Mit dem Vertrag kann Volkswagen bereits früh auf die Entwicklung von Filmen Einfluss nehmen. Das Ziel ist klar: Mit der Vermischung von Reklame und Inhalten wollen Wolfsburger den lahmen Verkauf ihrer Modelle beflügeln. Im Gegenzug erhält der Filmkonzern einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag im unteren Bereich.

Auch in Deutschland gehört Schleichwerbung zur TV-Praxis. Egal ob in der Daily Soap „Marienhof“, in der Krankenhausserie „In aller Freundschadt“ oder in den „Tatort“-Krimis – verschiedene Unternehmen haben es geschafft, über spezielle Agenturen ihre Produkte gegen Bares in den ARD-Programmen zu platzieren. Der entscheidende Unterschied zu Hollywood: Derartige Reklame ist in Deutschland verboten.

Wer trägt für diese illegale Praxis die Verantwortung? Die Intendanten haben erst einmal die Bavaria – im Besitz des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Bayerischen Rundfunks (BR), Südwestrundfunks (SWR) und Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) – den Schwarzen Peter allein zugeschoben. Nach dem Rauswurf der zweiten Reihe bei der Bavaria musste nach langem Zögern auch noch Geschäftsführer Thilo Kleine seinen Hut nehmen. Damit mag vorerst eine Personaldiskussion beendet sein. Eine Lösung ist aber nicht gefunden.

Die Skandale um Schleichwerbung sind Ausdruck eines kranken öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems. Die ARD und ihre vielen Tochterfirmen sind längst außer Kontrolle geraten. Die Intendanten haben es über Jahre nicht geschafft, ihren Filmkonzern effektiv und nachhaltig zu kontrollieren. Die vier Chefs Fritz Pleitgen (WDR), Thomas Gruber (BR), Peter Voß (SWR) und Udo Reiter (MDR) waren nicht in der Lage, die verbotene Schleichwerbung frühzeitig zu erkennen und abzustellen. Dabei war die illegale Reklame sozusagen ein offenes Geheimnis. In der Öffentlichkeit wurde immer wieder über Product-Placement geschimpft und hinter vorgehaltener Hand die Praxis des Schmierens gerügt.

Seite 1:

Außer Kontrolle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%