Schweizer Volksabstimmung
Ein Votum gegen die Elite des Landes

Es wäre falsch, die Schweizer mit ihrem Ja zur Einwanderungsbegrenzung als Rassisten abzustempeln. Durch die Zustimmung zu schärferen Einwanderungsgesetzten droht nun aber eine lange Phase der Unsicherheit.
  • 24

Mit hauchdünner Mehrheit haben die Schweizer die Initiative zur Begrenzung der Einwanderung angenommen. Sie wollen Herr ihres Schicksals bleiben. Das ist die Kernbotschaft des spektakulären Wahlergebnisses. Nicht der Arbeitsmarkt, also die Ökonomie, soll über das Volumen der Zuwanderung bestimmen, sondern der demokratisch legitimierte Staat. Dass solche Steuerungsversuche in der Vergangenheit gescheitert sind, spielte offenbar keine Rolle.

Das Votum war eine Wahl zwischen Kopf und Bauch. Und bei solchen  Fragen obsiegt zumeist der Bauch. Denn es gibt kaum emotionalere Themen als Fragen der Zuwanderung: Fragen der Identität spielen mit herein und diffuse Überfremdungsängste. Rationale Argumente wie jene, dass die Zuwanderer eine maßgebliche Stütze der Schweizer Volkswirtschaft sind, dringen kaum durch.

Es wäre falsch, die Schweizer jetzt aufgrund ihres Votums einfach als Rassisten abzustempeln. Denn das Land sagt nicht „nein“ zu Zuwanderung als solche; die Bevölkerung sagt nur nein dazu, dass jedes Jahr rund 80.000 neue Menschen hinzukommen und damit die Wohnbevölkerung jedes Jahr um rund ein Prozent wächst. OECD-Daten zeigen zwar: Kein anderes Land profitiert ökonomisch so stark von Zuwanderern wie die Schweiz – aber nach Luxemburg gibt es kein anderes Land, dass solch hohe Zuwanderströme jedes Jahr verdauen muss.

Das Votum vom Sonntag ist auch ein Votum gegen die Elite des Landes: Die Regierung, die Wirtschaftsbosse und auch die Meinungsführer der Presse, sie alle haben sich gegen die Zuwanderungsinitiative gestellt. Denn sie profitieren von den Vorteilen: Die Wirtschaft wächst, die Unternehmen können auf die riesigen EU-Arbeitsmarkt nach Gusto zurückgreifen.

Die Bevölkerung spürt indes die Probleme: Neben den Zuwanderern, die sich jedes Jahr in der Schweiz niederlassen, strömen täglich tausende Grenzgänger aus Italien, Frankreich und Deutschland ins Land. Zwar ragen überall im Land Baukräne in die Luft, aber für normalverdienende Familien ist Wohnraum in den Ballungszentren dennoch kaum mehr bezahlbar. Zumal hat die Regierung den Schweizern bei der Einführung viel geringere Zuwanderungszahlen in Aussicht gestellt, als sie jetzt seit Jahren schon zu beobachten sind.

Seite 1:

Ein Votum gegen die Elite des Landes

Seite 2:

Wie würde in Berlin eine Volksabstimmung ausgehen?

Kommentare zu " Schweizer Volksabstimmung: Ein Votum gegen die Elite des Landes "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Aufregung in Europa zeigt nur dass in Europa keine Demokratie, sondern Kapitaldiktatur herscht. Volkswille wird von den Gaunern in Anzug nicht akzeptiert. Man sollte so eine Abstimmung in jedem Land in Europa als Test durchführen. Es würde nicht anders ausgehen als in der Schweiz. Höchstens dass es noch mehr JA Stimmen gäbe. Jedes Land sollte zuerst für seine Bürger sorgen. Keine Futtert zuerst Nachbarskinder bevor seine satt sind. Und die EU soll nicht grosskotzig auf Freiheit und Bewegungsfreiheit pochen solange sie es selber nicht praktizieren. Kroatien z.B. ist auch in der EU hat aber keine Rechte in dieser Beziehung. Aber Pflichetn hat sie alle. Vile Länder sind am Abgrund seit sie in der EU sind !!!!!

  • Kaum hat das einzige demokratische Land eine Entscheidung getroffen, muß sich Deutschland schon wieder einmischen.Haben wir nicht schon genug Schaden angerichtet mit unserer ewigen Einmischerei.

  • Vox populi, vox dei - Volkes Stimme ist Gottes Stimme!Herzlichen Glückwunsch an den gesunden Menschenverstand der Schweizer Bürger!Auch in Deutschland werden immer mehr verarmende Ureinwohner von nach hier flutenden Wirtschaftsasylanten drangsaliert. Und diese räkeln sich - hofiert von "Möchte-gern-gut-sein-Multi-Kulti-Fetischisten" - immer mehr fordernd, wohlig in der sozialen Hängematte, obwohl man nie auch nur einen Pfennig in unsere Gesellschaft eingebracht hat.Die Schweiz hat eine richtige, richtungweisende Entscheidung getroffen und wird auch ohne "Zuwanderung" weiterhin politischen und wirtschaftlichen Erfolg verbuchen! Denn man wird nun künftig mehr finanzielle Mittel in der Schweiz zur Verfügung haben, die eigenen Talente und Ressourcen der Einheimischen entsprechend besser fördern zu können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%