Sicherheitsrat-Entscheidung
Iran unter Russlands Schutz

So weit reicht also die hoch gerühmte Einigigkeit der Weltgemeinschaft gegenüber Iran. Der Uno-Sicherheitsrat hat sich jetzt eben nicht an die Seite der Briten gestellt und die Geiselnahme britischer Soldaten mit klaren und harten Worten verurteilt. Vier Stunden lang verhandelte der Sicherheitsrat - um sich dann in einer lauwarmen Erklärung "tief besorgt" zu zeigen und diplomatischen Zugang zu den Geiseln zu fordern. Eine Bestätigung der gut belegten britischen Position, dass die Soldaten in irakischem Hoheitsgebiet gekidnapped wurden, verhinderten Russland und Südafrika.

Damit ist es Teheran tatsächlich erneut gelungen, einen Keil in die internationale Gemeinschaft zu treiben. Hatte die iranische Aggression und die kluge Zurückhaltung der Briten zunächst den Eindruck erweckt, Teheran könnte für sein Verhalten abgestraft werden, droht nun das Gegenteil. Wenn es hart auf hart kommt kann sich das Mullah-Regime immer noch auf den Schutz des Kremls verlassen. Dabei sollte es jedem klar sein, dass es hier nicht "nur" um 15 Briten geht. Teheran hat die Auseinandersetzung mit den Briten ganz offensichtlich bewußt angezettelt, um Stärke zu demonstrieren - und hat damit jetzt einen Punktsieg erzielt.

Das ist eine schlechte Nachricht - für die britischen Geiseln, aber auch für all diejenigen, die im Streit um das iranische Atomprogramm auf eine kooperative Haltung Russlands gesetzt hatten. Die Chancen, Teheran durch die glaubhafte Androhung von Sanktionen auf diplomatischem Weg zur Vernunft zu bringen, sinken. Die Gefahr einer Eskalation bis hin zu einer militärischen Intervention steigt.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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