Siemens
Kommentar: Bluten für den Neuanfang

Eine Anklage gegen von Pierer ist nicht mehr ausgeschlossen: Siemens alte Führung wäre damit am Ende, doch dem Konzern könnte das den Neuanfang erleichtern.
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Der krisengebeutelte Siemens-Konzern bricht endgültig mit der Vergangenheit. Anderthalb Jahre nach der Großrazzia, mit der alles seinen Anfang nahm, ist die Affäre nun ganz oben angelangt: bei Heinrich von Pierer. 13 Jahre stand er an der Spitze des Konzerns, galt sogar kurz als Kandidat für das Bundespräsidentenamt und ist noch immer oberster Berater der Bundeskanzlerin. Sollte Korruption bei Siemens Chefsache gewesen sein, liegt die jüngere Siemens-Geschichte zwar in Scherben – für den Neuanfang aber könnte es ein Segen sein, wenn die Rolle von Pierers geklärt wird.

Schon in den vergangenen Tagen und Wochen hatte die neue Mannschaft um Peter Löscher gezeigt, dass sie hart wie nie zuvor mit der alten Führung ins Gericht geht. Wer gesündigt hat, soll finanziell bluten.

Die Aufklärung, die der Konzern derzeit betreibt, und die öffentliche Abrechnung mit der Vergangenheit haben nicht nur ethische Gründe. Mit dem Austausch fast der gesamten Führungsspitze, mit dem bereits zum Jahresbeginn erfolgten Umbau des gesamten Konzerns und mit den angedrohten Schadensersatzforderungen gegen die alte Führung will Löscher vor allem ein starkes Signal über den Atlantik senden.

Dort ermittelt noch immer die mächtige US-Börsenaufsicht SEC. Die verfügt über ein furchteinflößendes Folterinstrumentarium. Auf eine Milliardenstrafe haben sich bei Siemens viele schon eingerichtet. Noch schmerzlicher für den Konzern könnte es aber werden, wenn Siemens für einige Zeit von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden sollte. Mit dem Signal eines totalen Neuanfangs will Siemens um Gnade bitten. Womöglich käme da eine Abrechnung mit der Ära Pierer gerade recht.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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