SPD
Cool, aber nicht clever

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Endlich hat die SPD ein Thema, hinter dem sie sich versammeln kann: die Bundespräsidenten-Kandidatur der Universitätspräsidentin Gesine Schwan. Außer Wolfgang Clement finden es vom rechten Seeheimer Kreis bis zu den Parteilinken alle gut, dass die SPD nicht sang- und klanglos Horst Köhler mitwählen will, sondern eine eigene Kandidatin hat. Und außer Gesine Schwan hat die SPD momentan nichts und niemanden, für das oder den alle einzutreten bereit sind.

Nur deshalb ist zu verstehen, wieso keiner in der Partei am Wochenende die Vorwürfe wegen eines Spendenbriefs überhaupt nur anschauen wollte. Sicher: Dass sie pünktlich zur Kandidatenkür bekanntwerden, riecht nach Steuerung durch den politischen Gegner. Der Zeitpunkt sagt aber nichts über den Gehalt aus. Und wenn der Brief Schwans auf Universitätspapier an die Firma Ratiopharm keine plumpe Fälschung ist, dann ist er, legt man die strengen Moralgrundsätze der SPD gegenüber Unternehmen an, jedenfalls keine Glanzleistung im korrekten Verhalten. Zumindest Bedauern wäre da angemessener als die übertrieben coolen Reaktionen der gesamten SPD.

Ob allerdings jemand, der im Überschwang des Spendenwerbens für seine Universität womöglich einen Fehler begangen hat, deshalb nicht Bundespräsident werden kann, scheint auch übertrieben. Es ist Wahlkampf, und da stirbt die sachliche Debatte bekanntlich zuallererst.

Auf jener Ebene aber, auf der es persönlich wird, ist die beste Verteidigung eben nicht der Gegenangriff, sondern größtmögliche Transparenz. Die Coolness der SPD ist daher in dieser Sache keine Hilfe für Schwan, sondern womöglich gefährlich. Denn sie untergräbt genau jene Glaubwürdigkeit, für die Schwan bisher steht.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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