SPD
Weg voller Dornen

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An diesem Wahlsieg in Bremen kann Kurt Beck sich nicht erfreuen. Beim einzigen politischen Stimmungstest des Jahres 2007 hat die SPD in einer ihrer Hochburgen deutlich schlechter abgeschnitten als erwartet. Die CDU verlor auch, aber im Mittelpunkt des Interesses stand die SPD. Ihr angeschlagener Vorsitzender darf sich nicht täuschen: Mit dem Tag nach dem Votum des winzigen Bundeslandes beginnt für Beck die politische Via dolorosa bis zur Bundestagswahl 2009.

Die Arithmetik der Wahlperioden in den Ländern tut dem SPD-Chef Grausames an: 2008 wird – fast wie von konservativer Geisterhand genau so vorherbestimmt – viermal ausgerechnet in denjenigen Bundesländern gewählt, in denen die Sozialdemokraten chancenlos sind.

Im Januar 2008 schickt die CDU in Hessen und Niedersachsen ihre unangefochtenen Ministerpräsidenten Roland Koch und Christian Wulff ins Rennen. Die haben sich zuletzt derart mit Kritik an der Kanzlerin zurückgehalten, dass sie auch mit deren Bundes-Bonus für ihre Landtagswahlkämpfe rechnen können. Im Februar tritt Ole von Beust gegen die völlig konfuse Hamburger SPD an. Und im Herbst wird sich dann der Stoiber-Nachfolger in Bayern stellen – Frustration der SPD inbegriffen. Von Niederlage zu Niederlage wird das Getuschel lauter werden: Ist Beck überhaupt der richtige Kanzlerkandidat?

Offenbar hat den SPD-Vorsitzenden in diesen Tagen genau dasselbe Szenario umgetrieben. Sein Plan, die Parteispitze radikal zu verkleinern und nur noch Finanzminister Steinbrück, Außenminister Steinmeier und die Linke Nahles als Stellvertreter zu haben, ist an sich richtig. Konkurrenten sollen zur Loyalität verpflichtet, die parteiinterne Opposition eingebunden werden. Ein Aufstand der Linken auf dem SPD-Parteitag im Oktober würde verhindert – angesichts des Erfolges der Linkspartei in Bremen erst recht ein richtiger Schachzug. Doch eine Versicherung auf die Kanzlerkandidatur ist das nicht. Im Gegenteil: Der Außenminister, mit den in Deutschland fast traditionellen Popularitätswerten, könnte vom Stellvertreter zur Alternative mutieren.

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