ST-Microelectronics-Chef Pistorio im Gespräch
„Wir müssen den Reichtum auf der Erde besser verteilen“

Der Chef von Europas größtem Chiphersteller ST Microelectronics, Pasquale Pistorio, sprach im Interview mit den Handelsblatt-Redakteuren Marcello Berni und Joachim Hofer über das Wachstum in der Branche, Ethik in Unternehmen und Investitionen in Afrika:

Herr Pistorio, gerade erst hat die Chipindustrie die schwerste Krise ihrer Geschichte hinter sich, da droht schon der nächste Einbruch.

Moment mal. Für dieses Jahr sind die Aussichten ausgezeichnet. Die meisten Analysten rechnen mit einem Wachstum von weit mehr als 20 Prozent. 2004 wird eines der besten Jahre, die unsere Branche je gesehen hat.

Das Wachstum ist aber wesentlich stärker als der langjährige Durchschnitt und deshalb wohl nur von kurzer Dauer.

Bis Mitte der 90er-Jahre hatte die Branche im Schnitt ein jährliches Plus von 15 Prozent. Seither wurde es etwas weniger, etwa zehn bis zwölf Prozent. Im Vergleich zu anderen Branchen ist das immer noch viel. Dennoch sehe ich für 2004 keine Gefahr, dass es wieder bergab geht. Die Nachfrage ist in allen Bereichen groß - von den Telekommunikationsanbietern über die Unterhaltungselektronik bis zu den Autoherstellern -, und ich wüsste nicht, warum sich das bis Jahresende ändern sollte. Von einigen Produkten kann die Industrie momentan gar nicht so viel liefern, wie die Kunden gerne hätten.

Und nächstes Jahr? Die Halbleiterbranche kann dieses hohe Tempo doch kaum halten.

Sicher, der nächste Abschwung kommt bestimmt. Aber ich glaube nicht, dass wir den Einbruch schon 2005 erleben.

Was macht Sie da so sicher?

Noch immer wird weniger in neue Fertigungslinien investiert als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Deshalb sind Überkapazitäten kommendes Jahr noch nicht zu erwarten.

In Asien werden doch wie wild neue Fabriken gebaut.

Richtig. Und deshalb werden wir irgendwann auch wieder mit Überkapazitäten zu kämpfen haben. In der Vergangenheit waren dafür erst Japan, dann Korea und zuletzt Taiwan verantwortlich. Diesmal wird wohl China der Auslöser sein.

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