Tagesordnung
Managervergütung in Großbritannien

Die neuste Debatte in Großbritannien: Britische Aktionäre sollen künftig über die Bezahlung der Manager beschließen können. Ein Irrweg der Aktionärsdemokratie?
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DüsseldorfBriten gelten als vorbildlich. Gerangel um die besten Plätze an der Busstation ist auf der Insel verpönt. Auch gutes Benehmen in der Wirtschaft ist erste Bürgerpflicht. Britischer Benimm reicht bis in die Chefetagen Corporate-Governance-Regeln made in London stehen daher häufig Modell, wenn (Festlands-) Europäer sich aufmachen, ihren Bossen tadelloses Verhalten beizubiegen. Britische Regeln von heute sind oftmals unsere Paragrafen von morgen. Es lohnt sich also, die neueste Debatte in Großbritannien genau zu verfolgen.

Auf der Agenda steht derzeit die Managervergütung. Zuletzt sind die Saläre der Verwaltungsräte um 49 Prozent geklettert. Unglücklicherweise passt das so gar nicht zum Umfeld. Die Briten rutschen in die Rezession, die Londoner Finanzindustrie leidet noch unter den Folgen der Finanzkrise. Den „fat cats“, das heißt den Topverdienern, soll es nun an den Kragen gehen. Angeführt wird der Aufstand von mächtigen Investmentfonds, die nicht einsehen, dass Dividenden und Gewinne schwinden, die Vergütungen der Manager aber explodieren. Kurzum: Zur Debatte steht eine Gesetzesänderung, nach der künftig Aktionäre über die Bezahlung der Manager beschließen könnten.

So viel staatlich erzwungene Aktionärsdemokratie hätte man den Briten gar nicht zugetraut. Wo doch bislang ihre Prinzipien der Unternehmensführung eher auf Freiwilligkeit und Einsicht beruhten. Davon abgeschaut hatten wir uns schon die „Say-on-pay“-Regel. Seit zwei Jahren dürfen bei uns Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Vergütungssysteme für Vorstände abstimmen. Ihr Votum hat keine bindende Wirkung. Es ist aber ein Signal der Zustimmung – oder auch der Missbilligung durch die Aktionäre.

Freiwilligkeit reicht nun offenbar selbst den Briten nicht mehr. Bevor wir nun auf die naheliegende Idee verfallen, auch diese Vorschrift zu kopieren, sollten wir einmal kritisch prüfen, was denn die kleine Variante der Aktionärsdemokratie bislang bewirkt hat. Die Antwort sei vorweggenommen: wenig.

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  • Es ist eine wichtige Aufgabe des Aufsichtrates, eine der Gesamtleistung angemessese Vergütung (fix sowie erfolgsabhängig) mit dem Vorstand zu vereinbaren. Wichtig ist dabei eine transparante Berichterstattung und Aussprache in den Aktionärs-Haupt-Versammlungen. Eine "Basisdemokratie" der Aktionäre mit einer Verhandlungs-"anweisung" an den Aufsichtsrat halte ich nicht für zielführend - eine aus der Aussprache abzuleitende Verhandluns-"empfehlung" kann ich mir aber gut vorstellen.

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