Technologischer Wettlauf
China: Böses Erwachen

Chinas zweite bemannte Mission ins All, die gestern erfolgreich startete, ist mehr als nur ein Prestigeprojekt. Sie illustriert den atemberaubenden Aufstieg des bevölkerungsreichsten Landes der Welt zur technologischen Supermacht.

huh DÜSSELDORF. Der Wissensvorsprung der westlichen Welt, allen voran Europas, schmilzt in rasantem Tempo dahin. Und es ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht. Die Forschungsausgaben Chinas werden sich in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich verdoppeln, in der EU treten sie fast auf der Stelle. Mit dem Ergebnis, dass China gemessen an seiner Wirtschaftskraft ab 2010 mehr Geld in die Erforschung neuer Werkstoffe, Produkte und Verfahren investieren wird als die EU.

Viel zu langsam wächst in Europa das Bewusstsein, welche Folgen dies haben wird. Der Wettbewerbsdruck auf Europas Wirtschaft wird dramatisch steigen. Was das für viele Branchen bedeutet, die wir jetzt noch zu den Wohlstandsgaranten zählen, kann man am Beispiel der Textilindustrie beobachten. Auch Einfuhrquoten werden diesen Wirtschaftszweig nicht retten.

Europa hat nur dann eine Chance, wenn es sich dem technologischen Wettlauf mit China stellt. Doch seine Regierungen belassen es bei Sonntagsappellen, dass in den Zuwachs an Wissen investiert werden muss. Beispiel EU-Haushalt: 40 Prozent der Ausgaben fließen in die Landwirtschaft, weniger als zehn in die Forschung. Und die Arbeitsbedingungen für Forscher sind in China mittlerweile so gut, dass immer mehr europäische Firmen Teile ihrer Entwicklungsabteilungen dorthin verlagern.

Zugegeben, China ist ein Land mit gewaltigen inneren Spannungen, die Kluft zwischen Arm und Reich ist noch immer immens. Doch wer glaubt, dies werde seine Aufholjagd stoppen, dem droht ein böses Erwachen.

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