Telekom
Sprung über den Teich

Auf den ersten Blick passen die Aktionen nicht zusammen: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke streicht dieses Jahr wegen der schlechten Performance im ersten Halbjahr die Investitionen von zehn auf neun Milliarden Euro zusammen.

Gleichzeitig investiert er in den USA vier Milliarden Euro in neue Mobilfunklizenzen – und muss womöglich noch einmal so viel Geld für den Aufbau neuer Netze in die Hand nehmen. Diese Ausgaben kommen zu den gekürzten neun Milliarden hinzu. Der vermeintliche Widerspruch erklärt sich mit der ausweglosen Lage der Telekom. Ricke hat keine andere Wahl, als massiv jenseits des Atlantiks zu investieren, obwohl seine Mobilfunktochter dort mit Abstand der kleinste Anbieter ist. Die USA sind der einzige Bereich des Konzerns, der auch künftig noch ein starkes Wachstum verspricht. Im Inland laufen der Telekom die Kunden davon, im Mobilfunk und auf dem DSL-Markt tobt ein Preiskampf, und die Geschäftskundensparte T-Systems verliert beständig Umsatz und Gewinn.

Es ist also richtig, auf die USA zu setzen. Der Markt dort ist noch nicht gesättigt und lässt auch langfristig auf stabile Umsätze hoffen. Rickes Probleme zu Hause werden aber nicht allein auf dem US-Markt gelöst. Selbst wenn die Wachstumsaussichten weiter gut sind – Raten von dreißig Prozent, wie im ersten Quartal, dürften auch dort auf Dauer kaum mehr zu erzielen sein. Die Telekom braucht also dringend weitere Wachstumsfelder. Ricke sollte deshalb stärker als bisher in Osteuropa zukaufen. Die Märkte dort verheißen ebenfalls noch Wachstumspotenzial. Die Telekom könnte dabei ihre bestehenden Beteiligungen ausbauen und sich so zum führenden Anbieter für die Region mausern.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%