Thomas Jahn
Das Ende des amerikanischen Traums

Thomas Jahn ist der erste Amerikaner in der Handelsblatt-Redaktion. Er hat aber auch den deutschen Pass und fühlt sich deutlich deutscher als amerikanisch. Der Spickzettel für seine Rede im Düsseldorfer Ständehaus.
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Die amerikanische Gesellschaft hat im Vergleich zu Europa schon immer mehr Ungleichheit zugelassen. Aber in den vergangenen Jahren ist die Schere weit aufgegangen. Ein paar Zahlen von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz:

Die obersten ein Prozent der Amerikaner verfügen über fast ein Viertel des gesamten Einkommens, vor 25 Jahren waren das nur zwölf Prozent (Joseph Stiglitz). 

In den vergangenen zehn Jahren fiel das reale Median-Einkommen der Mittelklasse. Während das Einkommen der Frauen mit Abitur aber ohne Universitätsabschluss in der Zeit stark stieg (Basiseffekt, niedrige Basis), fiel das Einkommen der Männer mit Abitur aber ohne Abschluss auf realer Basis um zwölf Prozent in den vergangenen 25 Jahren.

Das oberste ein Prozent der Bevölkerung besitzt 40 Prozent des gesamten Vermögens, vor 25 Jahren waren es 33 Prozent, so Stiglitz.

Jeder zwölfte US-Arbeitnehmer ist offiziell arbeitslos. Rechnet man noch die Abgemeldeten und diejenigen hinzu, die die Flinte ins Korn geworfen haben, dann sind jeder sechste Amerikaner arbeitslos und mit zu wenig Arbeit.

Jeder siebte Amerikaner lebt von Lebensmittelmarken, die im Jahr 2010 immerhin im Gegenwert von 68 Milliarden Dollar ausgegeben wurden. 2011 steigt diese Zahl auf 80 Milliarden Dollar, Experten rechnen mit dem Durchbrechen der Grenze von 100 Milliarden Dollar in wenigen Jahren.

Laut CIA-Statistik rangieren die USA in Sachen Verteilungsgerechtigkeit auf Platz 40, Iran liegt auf 43 und Russland auf Platz 52.

Bilder des Korrespondententreffens im Ständehaus finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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  • Hallo Thomas Jahn, beeindruckend die mit diesen Zahlen ausgedrückten Veränderungen von Ungleichheit. Beeindruckend für den Leser Ihres Artikels, der sonst mit den umfangreichen Zahlenwerken der Statistiken kaum in Berührung kommt. Diese Zahlenwerke werden vorrangig für "Analyse und Politik" erstellt. Die immer weiter aufgegangene und augehende Schere der Ungleichheit ist damit nicht verhindert worden. Eine erste Voraussetzung, das zu verändern wäre also, dass auch Stiglitz aus seiner Selbstkritik auf der diesjährigen Konferenz am Bodensee schlussfolgerte, die "vielen falschen Dinge im analytischen Regelwerk" (also in der SNA und ESVG 95)zu beseitigen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Blickensdörfer
    s.a. http://diskussion.erkenntniswiderspruch.de

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