Tui
Jongleur Frenzel

Beim deutschen Reisekonzern Tui macht sich nach dem lange angekündigten Verkauf des WestLB-Aktienpakets große Erleichterung breit: Sanierung? Übernahme? Zerschlagung gar? Bis auf weiteres wird aus keinem dieser Szenarien Realität. Mit einer breiten Platzierung der Tui- Anteile und dem Einstieg der befreundeten Hoteliers-Familie Riu hat Konzernchef Michael Frenzel – gemeinsam mit seinem früheren Arbeitgeber West LB – sichergestellt, dass es nach dem Strategiewechsel vom Mischkonzern Preussag zum Reisekonzern Tui nicht zum nächsten Radikalumbau in Hannover kommen wird. Das freut die Belegschaft und düpiert die vielen Gegenspieler Frenzels, die im Sommer 2004 drauf und dran waren, den Tui-Jongleur zunächst aus dem Dax 30 und später aus dem Chefsessel zu kippen.

Touristikexperten sind sich einig darüber, dass eine Riu-Beteiligung bei Tui keinen strategischen Sinn ergibt. Sie dient allein dazu, Frenzel den Rücken freizuhalten und einen aus Tui-Sicht „feindlichen“ Investor zu verhindern. So hält Frenzel sich an den Schalthebeln der Macht. Mit ihm bleibt die Vision eines europäischen Reisekonzerns, der satte Renditen abwirft. Bisher ist davon nicht viel zu sehen: Die touristische Großexpansion hat mehr als sechs Milliarden Euro gekostet und nur einen Bruchteil davon wieder eingespielt. Seit Jahren hält sich Tui mit Substanzverkäufen über Wasser, das Kerngeschäft indes kommt nur schwer auf Touren.

Immerhin: Die Belastungen durch die Folgen von Terror und Krieg hat die Tui hinter sich. Sie blickt auf kranke Mitbewerber wie Thomas Cook oder die britische Mytravel zurück, die seit 2001 noch deutlich mehr Federn lassen mussten. Während die sich aus einigen Ecken Europas zurückziehen, hat die Tui ihren Kurs mit Mühe halten können. Die massiven Widerstände von außen scheinen mit der abgeschlossenen Investorensuche gebrochen. Durch den Riu-Deal gewinnt Frenzel mehr Zeit, zu beweisen, dass der mutige Ausflug ins Feriengeschäft kein milliardenschwerer Fehler war. Die Hoffnung darauf gibt es, aber noch keinen fundierten Beleg.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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