Übernahmen
Falsche Gier nach Größe

Das Fusionsfieber steigt. Wer die Wirtschaftsnachrichten durchsieht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Eine Übernahme jagt die nächste. Google will Doubleclick kaufen, die Lufthansa scheint doch irgendwie Interesse an Iberia zu haben, Barclays buhlt um ABN Amro, und die Gucci-Mutter PPR ist scharf auf Puma.

Eigentlich müssten längst sämtliche Alarmglocken läuten. In früheren Zyklen war ein derartiger Anstieg des Übernahmefiebers ein erstes Zeichen für das herannahende Ende der wirtschaftlichen Hausse. Nun spricht vieles dafür, dass dem heuer nicht so sein wird.Zum einen wird immer noch bar bezahlt und nicht mit Aktien. Das spricht für eine gewisse Disziplin. Zum anderen sind es im Gegensatz zum letzten Euphorieschub alle und nicht nur einige wenige Branchen, in denen das Fieber grassiert.

Dennoch ist es eine Frage der Zeit, wann der Drang nach schierer Größe gebremst wird. Dies weniger durch die Kartellbehörden, es sind vor allem die Kunden, die den größer werdenden Lieferanten zunehmend skeptisch gegenüberstehen. Das zeigt der Google-Deal. Die Übernahme von Doubleclick sorgt in der Werbebranche für heftiges Magengrimmen.

Es ist die Furcht vor Monopolen, den fehlenden Alternativen. Die ist berechtigt, kalkuliert ein Monopolist doch nicht mehr mit Markt-, sondern mit Monopolpreisen. Überflüssig zu erwähnen, dass die höher sind. Die Bereitschaft, diese zu akzeptieren, sinkt allerdings. Die Kunden – ob Unternehmen oder Privathaushalte – fühlen sich nicht mehr so ausgeliefert wie früher. Sie erhöhen den Druck. Das gilt für die Internetwerbung und die IT-Industrie, wo viele Firmen in einzelnen Bereichen immer stärker auf Software zurückgreifen, die nicht von Microsoft kommt. Es gilt aber auch in traditionellen Industrien wie etwa der Energiebranche.

Wer weiß, vielleicht kündigt sich hier ein neuer globaler Trend an: die Strategie der Nische. Zeit für eine neue Managementtheorie wäre es ja mal wieder.

koenen@handelsblatt.com

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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