Urteil zum Bereitschaftsdienst
Geld allein heilt nicht

Der Europäische Gerichtshof hat geurteilt – und Deutschland ein neues Katastrophenszenario beschert. Künftig müssen Bereitschaftsdienste in Krankenhäusern, bei Feuerwehren, Rettungs- und Wachdiensten wie Arbeitszeit bezahlt werden.

Der Europäische Gerichtshof hat geurteilt – und Deutschland ein neues Katastrophenszenario beschert. Künftig müssen Bereitschaftsdienste in Krankenhäusern, bei Feuerwehren, Rettungs- und Wachdiensten wie Arbeitszeit bezahlt werden. Interessenverbände sprechen von einem zusätzlichen Kostenschub im Gesundheitssystem, weil die 143 000 Krankenhausärzte nun nicht mehr rund um die Uhr bis zu 80 Stunden pro Woche für ein paar Euro mehr Bereitschaftsdienstzuschlag arbeiten dürfen. Selbst die Bundesregierung ist den Parolen auf den Leim gegangen und hat in vorauseilendem Gehorsam die Krankenkassen per Gesetz verdonnert, den Hospitälern mehr Geld zu geben.

Dabei haben die Krankenhäuser doch noch genügend Wirtschaftlichkeitsreserven. Das belegen nicht nur die Privatkliniken, die mit den angeblich mageren Vergütungen der Kassen Gewinne erzielen.

Nirgendwo in Europa landen mehr Patienten im Krankenhaus, die genauso gut oder besser ambulant behandelt werden könnten. Nirgendwo sonst liegen sie für jede Therapie länger in einem Krankenhausbett. Von den rund 45 Milliarden Euro Ausgaben der Kassen für stationäre Behandlung hätte daher schon längst ein großer Teil eingespart werden können, könnten die Krankenhäuser einen Teil ihrer Patienten auch ambulant behandeln.

Gerade dafür schafft die Bundesregierung mit ihrer Gesundheitsreform jetzt endlich die Voraussetzungen. Außerdem gibt es seit Anfang des Jahres ein neues Vergütungssystem, das jene Krankenhäuser belohnt, die ihre Patienten nicht unnötig lange im Bett liegen lassen. Die Krankenhäuser verfügen damit spätestens ab 2004 über genügend Instrumente, das EuGH-Urteil kostenneutral umzusetzen.

Rund 15 000 bis 27 000 Krankenhausärzte mehr und entsprechend zusätzliches Pflegepersonal brauchen wir nicht. Die gibt der Arbeitsmarkt für Ärzte derzeit und in absehbarer Zukunft ohnehin nicht her. Erforderlich sind clevere Krankenhausmanager, die intelligente Arbeitszeitmodelle schaffen und bereit sind, durch Fusion von Abteilungen oder mit anderen Häusern Synergien zu mobilisieren. Die Hamburger LBK-Kliniken exerzieren es vor: Seit zwei Jahren schaffen sie in ihren sieben Kliniken sukzessive den Bereitschaftsdienst ab – kostenneutral.

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