US-Banken
Kommentar: Kleine Brötchen

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Die amerikanischen Banken kommen einfach nicht zur Ruhe. Dass Citigroup und Merrill innerhalb von wenigen Wochen nach einer zweiten Kapitalspritze suchen, zeigt, wie stark die Finanzkrise die Bankenlandschaft erschüttert hat. Wählerisch können die Institute dabei nicht sein. Das Kapital, das im Westen so händeringend gesucht wird, ist reichlich vorhanden. Nur eben nicht in New York oder London, sondern in den Schatullen der reichen Ölproduzenten des Mittleren Ostens und in den Staatskassen der asiatischen Schwellenländer.

Für die Banken geht es jedoch um weitaus mehr, als mit Nothilfen kurzfristig ihr Überleben zu sichern. Das gesamte Geschäftsmodell der vergangenen Jahre steht auf dem Prüfstand. Die Märkte für die Verbriefung von Kreditrisiken sind entweder ausgetrocknet oder aber werden durch stark gestiegene Risikoprämien belastet. Konnten die Banken ihre Kreditrisiken noch vor kurzem durch komplexe Derivate an Investoren weiterreichen, müssen sie jetzt immer häufiger im alten Stil die Kredite selbst in die Bilanz nehmen.

Das Gleiche gilt für Kredite, die bislang über Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz abgewickelt wurden. Auf diese Weise konnten die Finanzhäuser ihre Kapitalanforderungen niedrig halten und ein großes Kreditrad drehen. Heute sind solche Investmentvehikel radioaktiv.

Für die Einnahmen der Banken hat das erhebliche Folgen. Durch den Einbruch auf dem Markt für Verbriefungen gehen den Instituten Milliardengebühren verloren. Müssen sie zugleich mehr Kredite in die eigenen Bücher nehmen, können sie weniger Darlehen vergeben. Die Gewinne der Banken werden in den nächsten Jahren also deutlich geringer ausfallen. Anleger, die angesichts des starken Kursverfalls der Finanzwerte bereits an einen Einstieg denken, sollten das im Kopf behalten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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