US-Banken
US-Banken: Dem Stress nicht gewachsen

An der Verstaatlichung einiger US-Großbanken führt kein Weg mehr vorbei: Der Sog der Krise ist zu stark.
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Zentrale Schaltstellen des US-Bankensystems steuern auf ihren Offenbarungseid zu. Noch wehrt sich die Regierung in Washington gegen den Befund, weil sie in dieser prekären Lage alles gebrauchen kann, nur keine Panik. Die Institute werden deshalb via Pressemitteilung aus dem Finanzministerium so lange für solvent erklärt, bis eine Pressemitteilung aus dem Finanzministerium das Gegenteil behaupten wird.

Der Regierung bleibt keine Alternative zu diesem Vorgehen. Sie muss jetzt deutlich machen, dass es keinen Grund gibt, der starken Hand des Staates in Notlagen zu misstrauen. Dafür sind die begonnenen "Stresstests" der richtige Weg, um gute Banken von den schlechten zu trennen. Sie allein werden aber nicht ausreichen, um Vertrauen in das System wiederherzustellen. Ruhe kann erst einkehren, wenn die Zombie-Banken mit ihrem gigantischen Verlustpotenzial zerschlagen, die schlechten Vermögenswerte aussortiert und solange in einer Giftmüll-Deponie gelagert sind, bis der Spuk vorüber ist.

Sollten die Computersimulationen der US-Regierung zuverlässiger funktionieren als die Risikomodelle zahlreicher Investmentbanken in Boomzeiten, muss die Auswertung der Banken-Stresstests erschreckend ausfallen: Zahlreiche Institute sind längst zu schwach, um den Wirbelsturm der Rezession überleben zu können. Als die ersten Ökonomen im Vorjahr vor Bank-Verlusten von bis zu zwei Billionen Dollar warnten, wurden sie als Schwarzseher beschimpft. Inzwischen prophezeien Wall-Street-Adressen wie Goldman Sachs und selbst der Internationale Währungsfonds Verluste, die diese Marke klar übersteigen werden.

Das verbliebene Eigenkapital der US-Banken liegt bei 1,4 Billionen Dollar - zu wenig zum Leben. Weil einige von ihnen aber auch zu groß zum Sterben sind und mithin eine Gefahr für das fragile Weltfinanzsystem darstellen, bleibt die Verstaatlichung als letzter Ausweg. Die Regierung in Washington auch noch als Großbanker zu beschäftigen ist zwar eine besorgniserregende Vorstellung, wo der neue Präsident doch schon die heimische Autoindustrie retten, die Sozialsysteme reformieren soll und vieles mehr. Amerika bleibt aber nur die Wahl zwischen Schweden und Japan: Schweden hat insolvente Banken in den 90er-Jahren verstaatlicht, aufgeräumt und reprivatisiert. Japan hat zehn Jahre gelitten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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