US-Demokraten
Um die Macht

In Hillarys Clintons Team ringt man um genau diese Frage. Wie gewinnen? Die neue Wahlkampfmanagerin Maggie Williams soll nun jenes Rezept aus dem Hut ziehen, das den Tanker drehen kann.
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Für Hillary Clinton ist dieser Barack Obama kaum zu packen. Während der 46-Jährige über Hoffnung und Wandel spricht, verliert sich die 60-jährige Hillary in den Details von Immobilienkrise und Gesundheitsreform. Während Obama von seinen Fans Mut und Engagement einfordert und dafür ein neues Amerika verspricht, dient sich Clinton als die Kandidatin der Professionalität an. Vor allem aber: Während Obama jung und frisch, dynamisch und visionär erstrahlt, wirkt Hillary wie ein Angebot von gestern. Das ist zwar etwas unfair, weil es so nicht stimmt. Aber es ist die wahrgenommene Realität im wahlkampfumtobten Amerika 2008.

Und gegen diese Mixtur findet das Team Hillarys bislang kein durchschlagendes Konzept. Vieles haben sie probiert: Bill Clinton wurde nach vorne geschickt, um Obama kleinzureden. Hillary hielt ihm vor, er habe keine Erfahrung. Die Kampagne wird nicht müde, Obama als naiv zu geißeln. Doch am Ende des Tages gewinnt Obama nicht nur eine Vorwahl nach der anderen. Im Ergebnis steht Obama im direkten Zweikampf mit dem wahrscheinlichen republikanischen Kandidaten John McCain eindeutig besser da.

An diesem Punkt wird es besonders heikel für Hillary. Denn was die Demokratische Partei in ihren Grundfesten bewegt, ist die Eroberung des Weißen Hauses. „Wenn wir selbst nach acht Jahren Bush das nicht schaffen, dann zerreißt es die Partei“, sagte nach dem Super Tuesday ein prominenter Demokrat. Denn sosehr die Partei das Rennen zwischen Obama und Hillary elektrisieren mag: Es geht dabei nicht um einen Schönheitswettbewerb. Es geht um die Macht. Und die wollen die Demokraten um jeden Preis zurückhaben.

Die Liberalen fühlen sich seit dem Dezember 2000 betrogen. Damals hatte ein Gericht die Wahl zugunsten von George W. Bush entschieden. Vier Jahre später, 2004, waren es der Terror und der Krieg. Sie haben einen Präsidenten ins Weiße Haus gebracht und dort gehalten, der seit Harry S. Truman die schlechtesten Umfragewerte erhält und dessen Politik das Land tief gespalten hat. Wenn selbst diese Bilanz nicht für einen Wechsel genügt – was dann? Dieses Denken beherrscht mehr und mehr die demokratische Führungsspitze. Deshalb soll im November derjenige ins Rennen gehen, der am sichersten gewinnen kann. Und sollte er eben Barack Obama heißen. Zudem: Hillary wird nicht zugetraut, dass sie jene jungen Wähler weiter mitziehen kann, die sich heute alleine wegen Barack Obama an den Wahlen beteiligen. Die Fähigkeit zu gewinnen würde zum ultimativen Argument, falls der Zweikampf im Patt verharren sollte.

Der Druck auf Hillary würde dann auch von jenen kommen, die den Clintons viel verdanken, die zum weit verzweigten Netzwerk von Bill und Hillary gehören, die den Clintons in den letzten 20 Jahren ein gutes Leben verdanken. Da mag Hillary auch noch so viel Kärrnerarbeit, so viele Narben und Wunden, so viel Kampferfahrung vorweisen können. Am Ende geht es ums Gewinnen.

In Hillarys Team ringt man um genau diese Frage. Wie gewinnen? Die neue Wahlkampfmanagerin Maggie Williams soll nun jenes Rezept aus dem Hut ziehen, das den Tanker drehen kann. Doch ihr rennt die Zeit davon. Wenn nicht spätestens zu den Vorwahlen in Ohio und Texas Anfang März die Wende gelingt, dann könnte der Zug abgefahren sein. So zumindest, wie es Hillary wieder am Sonntagabend in dem Politikmagazin „60 Minutes“ probierte, wird es nicht funktionieren: Da hob sie erneut darauf ab, dass Obama bislang keine einzige Negativ-Werbung des politischen Gegners auszuhalten gehabt habe – ganz im Unterschied zu ihr. Hillary glaubt noch immer, mit Hinweisen auf ihre stählerne Konstitution könne sie die Wahlen gewinnen. Doch das ist ein Denkfehler.

Zu sehr erinnern genau diese Charaktermerkmale die Menschen an die Schattenseiten der Clinton-Präsidentschaft. Sie machen das aus, was als Clinton-Müdigkeit zu einem gängigen Begriff geworden ist. Obama mag tatsächlich keine Kampfspuren tragen – doch warum sollte ihm ausgerechnet das schaden. Das Gegenteil ist der Fall: Die Amerikaner lieben strahlende Helden wie Barack Obama genauso wie gefallene Helden wie das Comeback-Kid John McCain. Hillary aber will in dieses Schema einfach nicht hineinpassen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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