US-Hypothekenfinanzierer
Freibrief für Fannie und Freddie

In der Krise zählt Prinzipientreue wenig. Das jüngste Beispiel für diese Erkenntnis ist die Entscheidung der amerikanischen Regierung, die Kapitalanforderungen für die beiden staatlich gestützten Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu lockern. Doch die Regierung in Washington hat kaum eine andere Wahl. Eine Analyse.

In der Krise zählt Prinzipientreue wenig. Das jüngste Beispiel für diese Erkenntnis ist die Entscheidung der amerikanischen Regierung, die Kapitalanforderungen für die beiden staatlich gestützten Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu lockern. Mit diesem Freibrief sollen die beiden Institute jetzt im großen Stil Hypotheken aufkaufen und so den eingefrorenen Immobilienmarkt in Amerika wieder flüssig machen.

Jahrelang haben Ökonomen, Notenbanker und Wirtschaftsliberale das Treiben der beiden größten Baufinanzierer in Amerika misstrauisch beäugt. Mit einer quasi staatlichen Rückendeckung haben Fannie und Freddie den Hypothekenmarkt beherrscht und dabei lange Zeit hohe Profite eingefahren. Zugleich sind die Risiken, die beide Institute sich aufgeladen haben, immer größer geworden. Nur die staatliche Stützung konnte dieses Missverhältnis verdecken.

Mit der „Freilassung“ von Fannie und Freddie macht die Regierung einen weiteren Schritt, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Zugleich will Präsident Bush auf Forderungen der Demokraten im Kongress eingehen, die mit einer staatlichen Garantie von 300 Milliarden Dollar den notleidenden Hausbesitzern die Refinanzierung ihrer Baudarlehen erleichtern wollen. Bis vor kurzem hatte sich der Präsident noch mit Händen und Füßen gegen diese Staatseingriffe gewehrt. Bereits eingetütet ist aber ein staatliches Konjunkturprogramm mit einem Volumen von mehr als 150 Milliarden Dollar, das beide großen Parteien im Rekordtempo durch den Kongress gepeitscht haben.

Auch an anderen Brandherden der Krise wird die Hand des Staates immer deutlicher sichtbar. So hat US-Finanzminister Hank Paulson bei der Rettung und dem kurz danach erfolgten Notverkauf der Investmentbank Bear Stearns eine entscheidende Rolle gespielt. Bush und Paulson haben sich auch hinter die massiven Liquiditätsspritzen der amerikanischen Notenbank gestellt. Zwar hat die Fed bislang noch nicht die Risikopapiere der Banken aus dem krisengeschüttelten Hypothekenmarkt aufgekauft. Mit ihren Kreditzusagen hat sie die Risiken jedoch in die eigenen Bücher genommen.

Insofern ist es nur folgerichtig, dass jetzt auch Fannie Mae und Freddie Mac ausrücken, um den Immobilienmarkt zu retten. Allein ihre Größe dürfte dafür sorgen, dass der Stress auf dem Hypothekenmarkt abnimmt. Rund 40 Prozent des gesamten Volumens für Baudarlehen in den USA werden durch die beiden Schwesterorganisationen garantiert. Wenn jetzt zusätzlich 200 Milliarden Dollar Liquidität in den Markt gepumpt werden, wird das die unmittelbare Not vor allem bei der Refinanzierung von Hypotheken lindern. Im Wahljahr 2008 zählt jede Stimme eines geretteten Hausbesitzers.

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