US-Immobilienkrise
Gefangen im Teufelskreis

  • 0

Wenn der amerikanische Präsident und sein Notenbank-Chef innerhalb von einer Stunde ankündigen, dass sie die Subprime-Krise mit allen Mitteln bekämpfen wollen, klingt das erst einmal nach einem entschlossenen Krisenmanagement. Panische Investoren und nervöse Hausbesitzer jubeln, reichen George W. Bush und Ben Bernanke ihnen doch die rettende Hand des Staates. Für den großen Rest der Wirtschaft verheißt die Rettungsaktion allerdings nichts Gutes. Kurieren Regierung und Notenbank doch jene Auswüchse, die sie selbst geschaffen haben – und das mit den falschen Rezepten.

Zwar haben Bush und Bernanke betont, dass sie nicht die Suppe auslöffeln wollen, die sich leichtsinnige Hausbesitzer, skrupellose Baufinanzierer und risikoverliebte Spekulanten selbst eingebrockt haben. Genau das wird jedoch passieren. Das Hilfspaket von Bush ist zwar nur eine populistische PR-Aktion. Gerade einmal 80000 klamme Hypothekennehmer kommen zusätzlich in den Genuss einer staatlichen Kreditbürgschaft. Entscheidend ist jedoch, dass der Präsident die Büchse staatlicher Subventionen geöffnet hat.

Diese Woche kommt der US-Kongress aus den Ferien zurück, und die demokratische Mehrheit wartet nur darauf, den Geldhahn für jene Hausbesitzer zu öffnen, die leichtfertig Hypotheken aufgenommen haben, deren Last sie nicht mehr schultern können. Wie so oft bei Subventionen ist das eine Einladung zum Missbrauch. Wenn der Staat schon eingreifen will, sollte er besser dafür sorgen, dass die Vergabe von Hypothekendarlehen in den USA finanziell soliden und durchschaubaren Richtlinien folgt. Dass es daran bislang mangelt, ist auch die Folge eines anderen Staatsversagens. Seit Franklin D. Roosevelt in den 30er-Jahren ist es die erklärte Politik jedes US-Präsidenten, die Zahl der Hausbesitzer in Amerika zu steigern. Dafür wurde die Steuerkasse geöffnet, und dafür wurde ein Auge zugedrückt, wenn es um die lockere Vergabe von Baudarlehen ging. Die Subprime-Krise ist die Quittung.

Ganz ähnlich ergeht es der US-Notenbank. Auch die Fed erntet eine Krise, die sie mit ihrer allzu lockeren Geldpolitik geschaffen hat. Erst die lange Niedrigzinsphase nach dem Platzen der Internetblase hat zu einer Liquiditätsschwemme geführt und das Risikobewusstsein der Investoren vernebelt. So konnte auf dem Immobilienmarkt die nächste Blase entstehen.

Die US-Geldpolitik hat sich in einen Teufelskreis begeben. Aus dem gibt es so leicht kein Entrinnen. Die Subprime-Krise hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das selbst eine Rezession möglich erscheinen lässt. Der Fed bleibt vermutlich keine andere Wahl, als am 18. September die Leitzinsen zu senken, wenn sie eine Panik an den Finanzmärkten und schweren Schaden für die Konjunktur vermeiden will. Der Zeitpunkt ist lange vorbei, an dem Bernanke die Krise noch in den Griff hätte bekommen können, ohne zugleich den Spekulanten aus der Patsche zu helfen.

Das Signal, das Regierung und Notenbank mit ihrem Krisenmanagement senden, ist langfristig fatal. Aber vermutlich lässt sich das Risikobewusstsein der Investoren nur zum Preis einer Rezession korrigieren. So hatte der frühere Fed-Chef Paul Volcker gehandelt, als er dem Inflationstrieb in den 80er-Jahren das Kreuz brach.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " US-Immobilienkrise: Gefangen im Teufelskreis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%