Verbände
Kapitalismuskritik: Verbände verpassen ihre Chance

Seit BDI-Präsident Jürgen Thumann am Wochenende auf einen harten Anti-Müntefering-Kurs eingeschwenkt ist, herrscht nach außen hin Einigkeit bei den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft: Die Kapitalismuskritik von Franz Müntefering sei eine „verantwortungslose Hetzkampagne“, der SPD-Chef betreibe „Populismus pur“, Investoren würden verschreckt, Unternehmer aus Deutschland vertrieben, Jobs gefährdet.

So richtig wie der Vorwurf des „Populismus pur“ an Müntefering ist, er nützt weder Unternehmern noch Investoren, wenn ihre Verbandsvertreter außerhalb des eigenen Lagers als Phrasendrescher wahrgenommen werden.

Noch in der letzten Woche hatte der BDI-Präsident ein „Glaubwürdigkeitsproblem der Unternehmen“ eingeräumt. Ein Teil der eigenen Gefolgsleute warf ihm daraufhin vor, er stimme in den „Chor der Weichmacher“ ein – so sein Vorgänger Michael Rogowski. Doch so verständlich es ist, wenn die von BDI, BDA und DIHK vertretenen Unternehmen und Arbeitgeber erwarten, dass ihre Verbände sie gegen Pauschalschelte und Diffamierung durch die alt-neuen Sozialisten in der SPD verteidigen, stellt sich die Frage, ob diese Art der Konfrontation auch klug ist.

Thumann hat zwar hart in der Sache, aber moderat im Ton das Gespräch gesucht, um überhaupt erst Gehör zu finden. Diesen Stil pflegt er seit seinem Amtsantritt im Januar, und zwar mit Erfolg: Eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes hätte Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Jobgipfel mit der Union nie und nimmer vorgeschlagen, wenn Thumann sich je des Holzhammers als Argumentationshilfe bedient hätte. Vermutlich wäre auch jetzt sein häufiger Verweis auf die „emotionale Bindung vieler Unternehmer an Deutschland“ die erfolgreichere Strategie. Denn was jeden in Deutschland erschrecken müsste, ist, wie stark die populistischen Thesen Münteferings ankommen, bis weit in das bürgerliche Lager hinein.

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