Vorerst auf Tauchstation
Steinbrück hat das Zeug zum Vizekanzler

Eigentlich ist er der Mann der Stunde. Als Primaner hatte Peer Steinbrück in Altgriechisch mehrere ungenügende Arbeiten abgeliefert. Bei der letzten Prüfung erzielte er ein Mangelhaft. Deshalb sollte er sitzen bleiben. Damals, erinnert sich der SPD-Politiker selbstironisch, habe er "die Chuzpe" besessen, beim Lehrer zu protestieren: "Schließlich zeigten meine Noten eine aufsteigende Tendenz."

BERLIN. Ganz ähnlich begründet die SPD derzeit in Berlin ihren Anspruch aufs Kanzleramt. Doch Peer Steinbrück schweigt. Nach einem kurzen Intermezzo bei "Sabine Christiansen" am Wahlabend ist der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident medial abgetaucht. Dabei mangelt es ihm ebenso wenig an Chuzpe wie an Ambitionen. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt er als fester Bestandteil einer großen Koalition. Genau deswegen aber haben ihm seine Berater eine Fernsehabstinenz verordnet: Jedes Interview könnte die fragile Argumentationslinie der SPD gefährden, derzufolge mit der Union zunächst über Inhalte gesprochen wird und Gerhard Schröder ohnehin Kanzler bleibt.

Was aber ist, wenn diese taktische Position geräumt werden muss? Dass es Steinbrück extrem reizen würde, in einer großen Koalition die Rolle des Vizekanzlers zu übernehmen, steht außer Zweifel. Den nötigen Pragmatismus bringt der 58-jährige Polit-Manager mit. Gemeinsam mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) handelte er bereits eine Liste zum Subventionsabbau aus. Sein Werdegang scheint ihn am ehesten für das Finanz- oder das Wirtschaftsressort zu qualifizieren. Doch kann man sich den weltgewandten und perfekt Englisch parlierenden Steinbrück auch als Außenminister vorstellen.

Von diesen Aussichten sind Teile der SPD freilich wenig begeistert. Sie argumentieren, Steinbrück habe in Nordrhein-Westfalen die Wahl verloren und verkörpere keinen personellen Neuanfang. Sein ruppiger Umgang mit den Grünen und seine unsentimentale Modernisierungspolitik würden ihn geradezu als "Hassfigur" der enttäuschten Linken qualifizieren. In der Fraktion wird Steinbrück auch sehr verübelt, dass er sich als "Mann der Exekutive" bezeichnet und nicht für den Bundestag kandidiert hat.

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