Wahlkreis 160
Dresden wird kaum Zünglein an der Waage

Im Wahlkreis Dresden I findet die Bundestagswahl erst in zwei Wochen statt. Angesichts des knappen Vorsprungs der Union dürfte den 219 000 Wahlberechtigten die ganze Aufmerksamkeit der Medien und die Fürsorge der Parteien zukommen. Doch es ist unwahrscheinlich, dass Dresden die SPD gleichziehen lässt.

HB DRESDEN. Nach Einschätzung des Bundeswahlleiters wird die Union auch nach der Wahl in Dresden stärkste Fraktion im Bundestag sein. Derzeit haben CDU und CSU drei Sitze mehr als die SPD. Das Ergebnis von Dresden I könne allenfalls zu einem weiteren Überhangmandat führen, so ein Sprecher des Bundeswahlleiters.

Viel spricht dafür, dass die Union in Wahlkreis Dresden I das Direktmandat holt. Dies war ihr 1994, 1998 und 2002 gelungen. Zwar tritt die aktuelle CDU-Bundestagsabgeordnete nicht wieder an. Der neue Bewerber, der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Lämmel, dürfte aber auch davon profitieren, dass sich in seinem Wahlkreis auch die sächsische Linkspartei-Spitzenkandidatin Katja Kipping zur Wahl stellt. Sie dürfte die SPD-Bewerberin Marlies Volkmer zahlreiche Stimmen kosten. Bei der Wahl 2002 hatte die SPD in dem Wahlkreis allerdings die meisten Zweitstimmen geholt

Dresden I mit seinen 219000 Wahlberechtigten wählt erst am 2. Oktober, weil die NPD-Direktkandidatin Kerstin Lorenz wenige Tage vor der Wahl gestorben war. Zwar stellte die rechtsextremistische Partei rechtzeitig einen neuen Kandidaten auf - den parteilosen Gründer der Partei "Die Republikaner", Franz Schönhuber. Weil die Zeit aber nicht reichte, um allen Briefwählern neue Stimmzettel zuzuschicken, entschied sich die sächsische Landeswahlleiterin Irene Schneider-Böttcher mit Rückendeckung von Bundeswahlleiter Johann Hahlen dafür, die Wahl in Dresden I erst später abzuhalten.

Der Wahlkreis umfasst die Dresden Ortsteile Altstadt, Blasewitz, Leuben, Prohlis und Plauen; ein erheblicher Teil davon gilt als gutbürgerliche Wohngegend. Im Plattenbauviertel Prohlis dürften allerdings viele für die Linkspartei votieren.

Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis, das der Bundeswahlleiter in der Nacht zum Montag bekannt gebeben hatte, wird die Union ohne den Wahlkreis Dresden I mit 225 Sitzen stärkste Kraft, gefolgt von der SPD mit 222 Sitzen. Drittstärkste Kraft werden die Liberalen, die 61 Abgeordnete stellen, allerdings als einzige Fraktion im neuen Bundestag kein Direktmandat erobern konnten. Die Linkspartei zieht mit 54 Abgeordneten in den Reichstag ein und hat damit wieder Fraktionsstärke. Die Grünen bilden mit 51 Abgeordneten künftig die kleinste Kraft im Parlament, darunter der Berliner Hans-Christian Ströbele, der sein Direktmandat verteidigte.

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