Wirtschaftsverbände
Gestörte Harmonie

Auf dem Reißbrett scheint es eine bestechende Idee zu sein. Wenn sich Unternehmen zusammenschließen, um im globalen Wettbewerb besser zu bestehen, warum sollten dann nicht auch die vielfältigen Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft diesem Vorbild folgen?

Kräfte bündeln, Synergieeffekte nutzen, mehr Wirkung in der politischen Interessenvertretung, und das zu geringeren Kosten für die beitragszahlenden Firmen:Die Argumente wirken immerhin so überzeugend, dass sie den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veranlasst haben, einen Zusammenschluss konkret zu prüfen.

Vor allem vor diesem Hintergrund ist der Rückzug des DIHK und anderer Verbände aus dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft ein bemerkenswerter Vorgang. Denn jenseits persönlicher Disharmonien im Einzelfall wirft er ein Schlaglicht auf die Argumente der Kritiker einer Verbändefusion: Wenn es nicht einmal in der Außenwirtschaft gelingt, die Interessen der ganzen Wirtschaft zu bündeln, wie soll es dann erst im Inland bei kritischen Themen der Wirtschafts- und Steuerpolitik auf Dauer gelingen?

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund liefert ein warnendes Beispiel: Formal fällt ihm zwar die Aufgabe zu, gemeinsame Arbeitnehmerinteressen zu vertreten. Tatsächlich gelingt es ihm aber nur allzu selten, den bunten Gewerkschaftschor überzeugend zu dirigieren. Das haben nicht zuletzt die Kundgebungen am Wochenende wieder gezeigt. Selbst wenn in der Wirtschaft die große Fusion demnächst wirklich scheitern sollte, war der bloße Versuch aber nicht vergebens: Man wird den Unternehmen dann neue Argumente liefern können, warum es sich eben doch lohnt, für mehrere Verbände Mitgliedsbeiträge zu zahlen.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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