1.700 Quadratkilometer in eine schwarze Wüste nach Großbränden
Fast eine Million Menschen flüchten in Kalifornien

Nach viertägigem Kampf gegen die Flammenhölle in Südkalifornien lassen günstige Wetterprognosen erstmals auf eine Entspannung hoffen. Meteorologen erwarteten bereits am Mittwoch ein Abflauen der starken Winde. Vom Meer her sollte eine kühle Brise aufkommen.

HB LOS ANGELES/WASHINGTON. „Wir rechnen damit, dass am Donnerstag alles ziemlich vorbei ist“, sagte Noel Isla vom Büro des Nationalen Wetterdienstes in San Diego. Nach den Worten des Bürgermeisters der Stadt, Jerry Sanders, kehrten bereits die ersten Menschen in ihre Häuser zurück. „Die Situation ist aber weiter angespannt“, warnte das Stadtoberhaupt.

Bis Mittwochvormittag (Ortszeit) wütete der größte Brand in der Geschichte Kaliforniens unvermindert weiter. US-Medienberichten zufolge trieb das Inferno beinahe eine Million Menschen in die Flucht. 7000 Feuerwehrleute kämpften am Rande der Erschöpfung gegen 19 Brandherde. „Wir sind total am Ende, aber es bleibt keine Zeit, sich auszuruhen“, sagte einer der Helfer. Einsatzkräfte berichteten aber auch von ersten Erfolgen an der Flammenfront: „War haben Brandschneisen geschlagen und das Feuer dorthin gebracht, wo wir es haben wollen. Es sieht wirklich gut aus“, sagte Feuerwehrmann Scott McLean, der einen Brandherd an der Grenze zu Mexiko bekämpft.

Mindestens fünf Menschen kamen den Angaben zufolge ums Leben, 70 seien verletzt worden, darunter auch Feuerwehrleute. Die Brände verwandelten zunächst mehr als 1700 Quadratkilometer in eine schwarze Wüste, was ungefähr einer Fläche von der doppelten Größe Berlins entspricht. Vielerorts fraßen sich die Flammen zunächst weiter in rasender Geschwindigkeit durch die trockenen Wälder und griffen von dort auf Wohnsiedlungen über. Laut „Los Angeles Times“ legten die Flammen 1155 Häuser in Schutt und Asche. „Es war wie Armageddon, es sah aus wie das Ende der Welt“, berichtete ein Feuerwehrmann. Die wichtige Autobahn zwischen San Francisco und Los Angeles wurde wegen dichten Qualms gesperrt. Die Folge waren kilometerlange Staus.

Eine Anwohnerin sagte: „Es ist verrückt, wir sind von beiden Seiten von Feuer umgeben.“ Allein im Bezirk San Diego wurden mehr als eine halbe Million Menschen aufgefordert, Schutz in Notunterkünften zu suchen. Manche Betroffene mussten ihre Häuser mitten in der Nacht verlassen. „Meine Frau hat mich um Mitternacht geweckt, sie schrie, die Flammen kommen“, sagte ein Mann, der sich zusammen mit seiner Familie ins Qualcomm-Footballstadion in San Diego gerettet hatte.

Etwa 12 000 Menschen strömten in die Arena, viele von ihnen mit Schutzmasken gegen den feinen Aschestaub. Dort bauten die Behörden ein Lager mit Matratzen, Decken und Lebensmitteln auf. „Anders als bei früheren Katastrophen haben wir hier dafür gesorgt, dass die Leute vor Ort, der Staat und die Bundesbehörden ganz schnell handeln“, sagte Gouverneur Arnold Schwarzenegger. US-Präsident George W. Bush berief am Mittwoch sein Kabinett ein, um über die Lage in Südkalifornien zu beraten. An diesem Donnerstag will er die Region besuchen.

Auch in Malibu kämpften Feuerwehrleute zunächst noch gegen das Flammenmeer. In dem Prominentenort, in dem viele Hollywood-Stars wohnen, brannten zahlreiche Häuser völlig aus.

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