2,5 Millionen für Jagdsitz
Honeckers Häuschen wird holländisch

Urlaubsort mit sozialistischem Flair: Die „Honecker-Suite" brachte offenbar noch nicht den erhofften Touristenstrom. Der Ex-Jagdsitz wurde versteigert. Derweil sollen Iraner einen deutschen Ex-Regierungsjet gekauft haben.
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Waren/BerlinNach 20 Minuten Getuschel kommt am Montag doch noch einmal Leben in die Zwangsversteigerung im Saal 2 des Amtsgerichts von Waren/Müritz. Vincent van der Valk zischt seinem Nebenmann zu: „Wer ist dieser Typ?“ Offenbar war der 48-jährige Touristikunternehmer van der Valk auf Mitbieter kaum vorbereitet und sicher, aus der Versteigerung einer Ferienanlage rund um die Jagdresidenz des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker als Gewinner hervorzugehen.

Das gelingt dem Holländer auch - doch zunächst treibt „der Typ“, der sich später als Rechtsanwalt aus Duisburg vorstellt, van der Valks Erstgebot für die Jagdresidenz am Drewitzer See in der Mecklenburgischen Seenplatte um 200.000 Euro auf 2,5 Millionen Euro hoch.

Die Residenz ist heute Mittelpunkt einer ab 1998 errichteten Ferienanlage, an deren Kosten der Investor Hans-Holger Hagens aus Bremen schließlich Pleite ging. Neben dem reetgedeckten Haupthaus - auf dem nun im November schon die Eiskristalle in der Morgensonne funkeln - erwirbt van der Valk 36 gut zwölf Jahre alte Ferienhäuser, Sportanlagen und Teile des Sees.

In den kommenden Jahren will der Unternehmer noch einmal viel Geld in die Renovierung stecken, um viele Touristen für den komfortablen Erholungsurlaub in den Drewitzer Forst zu locken, wie er noch im Gericht ankündigt. Die „Honecker-Suite“ hingegen soll erhalten bleiben. Unter dem Foto des Ex-Staatsratschefs steht dort noch seine originale Couch, in der Wohnstube versprühen Sessel und Einbaumöbel in gedeckten Farben noch den spröden Charme der sozialistischen Ära.

Kommentare zu " 2,5 Millionen für Jagdsitz: Honeckers Häuschen wird holländisch"

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  • Man versehe mich mit Luxus,
    auf alles Notwendige kann ich verzichten.
    (O. Wilde)

    Wichtig für die DDR-Genossen war Standard nach DIN, deutsche Industrienorm - in der DDR gab es lediglich TGL. Somit hatte Honecker ein Toilettenbecken der Firma Villeroy und Boch unterm Hintern und keines etwa aus dem VEB Steingutwerk Torgau und was den Pool betraf, gab es eben Fliesen aus dem NSW-Import.
    Vererbbar ist Jagdhaus bzw. Grundstück wohl nicht. Den Honeckers, Milkes, Stophs, Hoffmanns und wie sie alle hießen, gehörte doch eigentlich alles. Ich denke an Margot Honecker, die eigentlich erbberechtigt wäre. Jene Immobilie war 1982 ein 43 Mio. - Geschenk des Tschekisten E. Milke, obwohl ihm Grund und Boden nie gehörte. Zitat aus dem Koran: „Was immer du auf Erden verschenkst - es wird dich in den Himmel begleiten."
    Du musst es auch wirklich besitzen! Nun wartete der Herr vergeblich …
    Bis zum 70ten Geburtstag Honeckers 1982 wurde das Objekt gegen alle wirtschaftliche Vernunft aus dem Boden gestampft – trotz fehlender Bilanzen.
    Der Führung der DDR war nie bewusst, welche Schäden man der Wirtschaft mit solchen Bauten „außer der Reihe“ zufügte. Lit.: “Im Auftrag des Großen Bruders“, AAVAA Berlin.

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