28 Jahre Haft
US-Amerikanerin Amanda Knox erneut verurteilt

Amanda Knox ist im neuen Prozess um den Mord an der Britin Meredith Kercher zu 28 Jahren Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch des Berufungsgerichts ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
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FlorenzMit scharfer Kritik am italienischen Justizsystem hat die US-Studentin Amanda Know auf ihre erneute Verurteilung wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher reagiert. "Ich bin erschrocken und betrübt über dieses ungerechte Urteil", erklärte Knox am Donnerstag in ihrer Heimatstadt Seattle, wohin sie nach ihrem vorherigen Freispruch im Jahr 2011 zurückgekehrt war. Nachdem sie im zweiten Verfahren für unschuldig erklärt worden sei, habe sie "Besseres vom italienischen Justizsystem erwartet".

Zum zweiten Mal hat ein italienisches Gericht die US-Bürgerin Amanda Knox im Prozess um den Mord an einer Britin verurteilt. Das Berufungsgericht in Florenz sprach die 26-Jährige und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito am Donnerstagabend schuldig, 2007 in Perugia die Studentin Meredith Kercher getötet zu haben. Knox wurde in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, Sollecito zu 25 Jahren. Nun dürfte eine lange juristische Schlacht um Knox' Auslieferung aus den USA folgen.

Fast zwölf Stunden beriet das Gericht über den Fall, bevor es das Urteil verkündete. Die Staatsanwaltschaft hatte 26 Jahre Gefängnis für die beiden gefordert.

Knox reagierte verstört auf das Urteil: Sie sei verängstigt und traurig über den Schuldspruch, sagte sie. Die italienische Justiz bezeichnete sie als pervers. Ihr Vater, Curt Knox, sagte, er habe keinen Kommentar.

Sollecitos Anwalt Luca Mori kündigte Berufung an. Es gebe nicht den geringsten Beweis, sagte er. Richter Alessando Nencini ordnete an, Sollecitos Pass einzuziehen, damit er das Land nicht verlassen kann. Eine Reiseeinschränkung für Knox beantragte er nicht.

Damit bestätigte das Gericht den ursprünglichen Schuldspruch gegen die beiden. 2009 waren Knox und Sollecito in dem Fall zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Knox saß bereits vier Jahre ab. Im Berufungsprozess wurden Knox und Sollecito dann 2011 unter anderem wegen Zweifeln an den DNS-Beweisen freigesprochen. Der Freispruch wurde im März 2013 vom höchsten Strafgericht Italiens kassiert.

Knox lebt inzwischen in den USA. Nach dem Freispruch reiste sie sofort in ihre Heimat. Erst danach wurde der Freispruch gekippt und der Mordprozess abermals neu aufgerollt. Das jetzige Urteil muss wahrscheinlich vom obersten Gericht Italiens bestätigt werden. Ein Antrag auf Auslieferung käme wohl erst danach infrage. Daher dürfte sich das juristische Tauziehen in dem Fall noch einige Zeit hinziehen.

Der Fall sorgt seit Jahren international für Schlagzeilen - wegen der immer neu aufgerollten Prozesse, aber auch wegen der Grausamkeit der Tat. Im November 2007 war die halbnackte Leiche von Knox' britischer Mitbewohnerin Meredith Kercher entdeckt worden. Vier Tage später wurde Knox verhaftet. Die junge Amerikanerin wurde teils als „Teufelsweib“ dargestellt, das sexuelle Abenteuer suche. Dann wieder galt sie als naiv, gefangen in einem komplizierten italienischen Justizsystem. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Im jetzigen Verfahren wich die Anklage von der bisherigen Darstellung ab, wonach ein erotisches Dreiecksspiel zum Mord an Kercher geführt haben soll. Stattdessen argumentierte die Staatsanwaltschaft nun, dass vielmehr ein Streit über die Sauberkeit in der gemeinsamen Wohnung eskaliert sei.

Im jetzigen Verfahren sagte Knox' Anwalt Carlo Dalla Vedova im Schlussplädoyer, er sehe dem Richterspruch gelassen entgegen. Aus den vorliegenden Beweise lasse sich nur „die Unschuld von Amanda Knox“ folgern. „Es ist nicht möglich, eine Person zu verurteilen, weil es wahrscheinlich ist, dass sie schuldig ist. Das Strafrecht sieht keine Wahrscheinlichkeit vor. Es sieht Gewissheit vor.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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