50 Jahre „Bravo“
Seit 50 Jahren in der Pubertät

Sie ist die Instanz für Teenager-Liebesspiele und verhalf drei Generationen zur Flucht vom Kinderzimmer in die Glamour-Welt des Pop: Am Samstag wird die „Bravo“ 50 Jahre alt.

HB MÜNCHEN. Mit dem Untertitel „Die Zeitschrift für Film und Fernsehen“ kam sie am 26. August 1956 erstmals an den Kiosk. Die Startauflage lag bei 30 000, der Preis bei 50 Pfennig, und vom orange-gelben Cover lächelte Marilyn Monroe mit entblößter Schulter den Lesern entgegen.

„Die Jugendlichen empfanden die „Bravo' damals als richtig revolutionär“, sagt Klaus Farin, Leiter des Berliner Archivs der Jugendkulturen. „Endlich fühlten sie sich ernst genommen.“ Die „Bravo“ habe sich mit den Filmen der Jugend und mit Bands beschäftigt, deren Songs von den Erwachsenen damals als „Negermusik“ bezeichnet worden seien. Und die Teenager dankten es der „Bravo“: Nur drei Jahre später lag die Auflage bereits bei über einer halben Million.

Waren anfangs noch Filmstars auf den „Bravo“-Titelseiten zu finden, verlagerte sich der Schwerpunkt in den Folgejahren immer mehr auf die Musik. 1966 präsentierte die Zeitschrift die Deutschland-Tournee der Beatles. Später füllten ABBA, Nena, Take That und Britney Spears die Seiten. Damit erwies es sich im Nachhinein als weiser Entschluss, dass der Kindler-Verlag auf „Bravo“-Gründer Peter Boenisch gehört und den ursprünglich geplanten Titel „Filmstar“ verworfen hatte.

Ende der 60er Jahre hielt Dr. Sommer mit seiner Rubrik Einzug in die „Bravo“. Der fiktive Arzt widmete sich von nun an Woche für Woche Leserfragen zu Liebe, Lust und Leidenschaft. Hinter dem Aufklärer der Nation steckte damals Martin Goldstein. Aufmerksam geworden war die „Bravo“ auf ihn, weil er neben seiner Arbeit als Ehe- und Erziehungsberater ein Aufklärungsbuch geschrieben hatte. Um all die Briefe und eine zweite Kolumne unter dem Pseudonym Dr. Korff zu bewältigen, bekam Goldstein bald ein Team aus Psychologen und Ärzten zur Seite gestellt.

Heute lebt der 79-Jährige als Schriftsteller in Kaarst bei Düsseldorf. Ermutigen und befreien habe er die Jugendlichen wollen, beschreibt er seine Arbeit für die „Bravo“. Der Zuspruch sei immens gewesen: „Ab der zweiten Ausgabe bekamen wir jede Woche 3 000 bis 5 000 Briefe.“ Dabei sei ihm besonders die Geschichte des kleinen Tobias in Erinnerung geblieben: Der habe die Spirale zur Verhütung einsetzen wollen, aber nicht gewusst, wie er sie an seinem besten Stück hätte befestigen sollen. Goldstein habe ihm dann einen persönlichen Brief geschrieben - „Du bist auf dem richtigen Weg“, sei der erste Satz gewesen.

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