"Absage an den Modernismus"
Drewermann kritisiert Papst-Wahl

Die katholische Kirche wird nach Einschätzung des Paderborner Theologen Eugen Drewermann nach der Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum neuen Papst keine offene Diskussion zu wichtigen Kirchenfragen zulassen.

HB DRESDEN. „Herr Ratzinger hat ja bei seiner letzten gottesdienstlichen Predigt vor dem Konklave noch einmal eine Standortbestimmung und auch die Marschroute für das gegeben, was seiner Meinung nach die katholische Kirche tun sollte“, sagte der Amtskirchen-Kritiker.

Daher sei anzunehmen, dass er sich als Papst Benedikt XVI. genau in diesem Sinne verstehen werde: „Ein Absage an den Modernismus, ... die Niederhaltung der offenen Diskussion in wichtigsten Themen wie die Zulassung von Frauen zum Priestertum, Aufhebung des Zöllibats, Neudefinition des Amtes.“

Drewermann, dessen theologische Bestseller ihn zu einem der bekanntesten und umstrittensten Theologen machten, liegt seit Jahren im Konflikt mit der Amtskirche, die ihm ein Predigtverbot erteilte und die Ausübung des Priesteramts bis auf weiteres untersagte. Hinter den Maßregelungen, die sein Heimatbistum Paderborn einleitete, wurden entsprechende Weisungen des Vatikan gesehen.

Äußerst kritisch hat auch der bekannteste Vertreter der umstrittenen Befreiungstheologie in Brasilien, der frühere Franziskanerpater Leonardo Boff, auf die Wahl des neuen Papstes reagiert. „Es wird schwer sein, diesen Papst zu lieben“, sagte er. Als Christ akzeptiere und respektiere er die Entscheidung der Kardinäle. Die Positionen des Deutschen Joseph Ratzinger gegenüber der Kirche und der Menschheit lehne er aber ab.

Er hoffe, dass der Deutsche Joseph Ratzinger als neuer Papst Benedikt XVI. künftig mehr an die Menschheit als an die Institution Kirche denken werde, sagte der Theologe und Schriftsteller Boff. „Ich hoffe auch, dass er den Dialog mit anderen Kirchen und auch mit der Wissenschaft sucht, um die besten Wege für die Menschheit zu finden.“

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