Amok-Drohung
Polizei steht wieder am Anfang

Die Ermittlungen zur Amok-Drohung im Internet, die an Donnerstag einen massiven Polizeieinsatz ausgelöst hatte, haben eine Wende genommen: Der 18-jährige Schüler, nach dem den ganzen Tag als potenziellem Amokläufer gefahndet wurde und der am Abend Selbstmord beging, hat die Drohung im Netz wohl gar nicht verfasst.

HB OFFENBURG. Ein Sprecher der Polizei in Offenburg sagte am Donnerstag, man sehe keine Verbindung zwischen dem 18-Jährigen und der Drohung, am Nikolaustag werde eine Schule in Baden-Württemberg überfallen. Die Auswertung des Computers des Schülers habe keine Hinweise auf eine mögliche Gewalttat ergeben. So genannte „Killerspiele“ seien auch nicht gefunden worden.

Die Drohung war den Behörden von zwei Realschülern aus Rheinland-Pfalz gemeldet worden: Sie hatten das Computerspiel „Counter-Strike“ gespielt und waren über den dazu gehörigen Chat mit einem Unbekannten in Kontakt gekommen. Dabei kündigte der Mitspieler den Überfall auf seine Schule an. Die Behörden trafen deswegen massive Sicherheitsvorkehrungen für Schulen im Südwesten. Der 18-Jährige wurde als potenzieller Amokläufer gesucht, weil er von zu Hause ausgerissen war und die Weltkriegs-Pistole seines Großvaters mitgenommen hatte. Mit dieser Waffe brachte sich der Gymnasiast, der als einzelgängerisch und introvertriert beschrieben worden war, am Mittwoch um.

Der Rummel um die Amokdrohung hat unterdessen in ganz Deutschland zahlreiche Nachahmer auf den Plan gerufen: In Achern, nur 20 Kilometer von Offenburg entfernt, wurden drei Männer im Alter von 19, 23 und 35 Jahren festgenommen. Einer von ihnen gestand, auf der Internetseite der Landespolizei ein Internet-Formular ausgefüllt zu haben, in dem er auf die Großaktion der Sicherheitskräfte zum Schutz der Schule von Offenburg am Donnerstag Bezug nahm. Er habe geschrieben, die Polizei solle nicht glauben, dass sie den Fall geklärt habe und der Täter der 18-Jährige sei, der sich das Leben genommen hatte. Vielmehr werde er, der Absender der E-Mail, am Donnerstag die Berufliche Schule in Achern überfallen.

Vergleichbare Drohungen wurden aus Nordrhein-Westfalen und aus Sachsen bekannt. In Marsberg im Sauerland schrieb ein 16-Jähriger im Internet, er wolle zwar keinen Amoklauf starten, fühle sich aber manchmal aus Hass dazu fähig. Außerdem äußerte er Selbstmordabsichten. In Freudenberg bei Siegen bedrohte ein Hauptschüler Lehrer und Mitschüler. Im sächsischen Döbeln drohte ein Berufsschüler mit einer Bombe, nachdem er einen Schulverweis bekommen hatte. In allen Fällen wurden weder Waffen noch eine Bombe gefunden. Die beiden Schüler aus NRW wurden festgenommen, der Sachse wird von der Polizei gesucht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%