Angebliche Tierquälerei
Bayerische Tierschützer wollen Kuhglocken verbieten

Wenn im September Zehntausende Rinder von den bayerischen Alpen und Almen ins Tal zurückkehren, ist das Läuten der Glocken um deren Hals schon von weitem zu hören. Tierschützer halten das für Quälerei.
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MünchenDer Deutsche Tierschutzbund in Bayern hat eine Abschaffung der Kuhglocken gefordert. „Rein aus Tradition einem Tier so etwas zuzumuten, ist völlig abzulehnen“, sagte die Präsidentin des bayerischen Landesverbands, Nicole Brühl. Die meisten Weideflächen seien ohnehin eingezäunt. Anstelle einer schweren und lauten Glocke könne man einer Kuh ein GPS-Band zur satellitengestützten Ortung umhängen.

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) sieht dagegen kaum Handlungsbedarf: „Ich glaube, dass die Glocken keine Beeinträchtigung sind für die Kühe - weder vom Gewicht her noch vom Ton.“ Langfristig könnten auch Sensoren die Ortung der Tiere ermöglichen, räumte Brunner ein. „Das ist aber technisch noch nicht ausgereift und derzeit erst in der Erprobung.“

Der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Franz Hage, reagierte empört auf den Vorstoß der Tierschützer: „Das ist kompletter Schmarrn.“ Die Glocken und Schellen schadeten den Tieren nicht. Der Stolz der Almhirte komme in ihnen zum Ausdruck. „Das ist Tradition im Allgäu und gehört dazu“, sagte Hage.

Ähnlich sieht das die Tourismusgesellschaft Allgäu. „Vielen Wanderern im Allgäu würde etwas fehlen“, sagte die Sprecherin Simone Zehnpfennig. „Die Kühe tragen die großen Glocken ohnehin nur maximal einen halben Tag beim Viehscheid. Und die kleinen Glocken tun keinem Tier weh.“

Nach Angaben Zehnpfennigs kommt es immer wieder vor, dass Jungvieh trotz eines Elektrozauns von der Weide ausbricht. Auf den großen Flächen der Hochweiden sei es ohne Glocken schwer, die Tiere wiederzufinden - vor allem bei Nebel.

In der Schweiz gibt es bereits seit längerem eine Debatte darüber, ob Kuhglocken Tierquälerei sind. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich hatte ergeben, dass die Wiederkäuer unter den Glocken leiden: An sechs Messtagen bewegten dabei 19 Kühe mit 5,5 Kilogramm schweren Glocken ihre Köpfe seltener als glockenlose Artgenossinnen. Zudem fraßen und ruhten sie weniger. Die Wiederkau-Dauer war pro Tier mit Glocke um 2,5 Stunden reduziert. Unklar sei unter anderem geblieben, ob dies durch ein bestimmtes Gewicht oder den Ton der Glocken beeinflusst wurde, hatte die Projektleiterin Edna Hillmann erklärt.

Die Tierschützerin Nancy Holten erhitzt die Gemüter in der Schweiz mit ihrer Forderung nach einem gesetzlichen Verbot. Glocken seien für Kühe „so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden“, wettert Holten. Sie versucht ihr Ansinnen mit Medienauftritten und der Facebook-Gruppe „Kuhglocken out“ durchzusetzen. Als Reaktion darauf entstand die Facebook-Gruppe „Pro Kuhglocken“ mit deutlich mehr Anhängern.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Angebliche Tierquälerei: Bayerische Tierschützer wollen Kuhglocken verbieten"

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  • Als Wanderer geht mir der Krach auch auf den Wecker.

  • Die unsinnige Hetze gegen Kuhglocken schadet nicht nur der bayr Alpwirtschaft mit ihrer ökonomisch und kulturhistorisch segensreichen Verbindung zu Landschaftspflege und Tourismus, sondern vor allem auch deren Absender, dem Tierschutzbund. – Ich werde jedenfalls keine Organisation gutheißen oder gar unterstützen, die ausgerechnet die lebenswerte Sommerfrische der Jungtiere auf der Alp mit irrwitzigen Hypothesen in Mißkredit bringen will!!
    Elmar Frey, 81243 München
    geboren und verwurzelt in Immenstadt im Allgäu

  • Das ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten!
    Wann befassen die sich mal endlich mit der Thematik des ---> Schächtens ??
    Da gibt es genügend zu tun!

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