Angehörige üben scharfe Kritik
China erlebt weiteres schweres Grubenunglück

Bei einem durch eine Gasexplosion verursachten schweren Grubenunglück sind am Sonntag in China vermutlich 166 Bergleute getötet worden. Während der Tod von 25 Menschen bereits bestätigt wurde, sind 141 Kumpel weiterhin verschüttet. Die Hoffnung auf Überlebende wird von Stunde zu Stunde geringer.

HB PEKING. „Es ist unmöglich, dass sie überlebt haben“, zitiert die chinesische Tageszeitung „China Daily“ einen Funktionär, der an der Bergung beteiligt ist. Es gebe keine Luft in dem Bereich unter Tage, wo die Vermissten seien. Damit wäre die Tragödie in der Chenjiashan Grube nahe Tongchuan in der Provinz Shaanxi das schwerste Grubenunglück in China seit Jahren.

Das Unglück löste Empörung und scharfe Kritik der Angehörigen aus. Nach einem ähnlichen Gasunglück vor drei Jahren seien die „versteckten Gefahren“ des Bergwerks bekannt gewesen, gab das staatliche Arbeitsschutzamt in Peking die Klagen der Familien wieder. Als die Bergleute sich geweigert hätten, in der Tiefe zu arbeiten, seien sie unter Androhung von Strafe gezwungen worden.

Selbst erfahrene Bergleute hätten aus Sorge um ihre Sicherheit nicht weiter unter Tage arbeiten wollen, aber Verantwortliche der Kohlegrube hätten es ihnen nicht erlaubt, „weil sie die Fördermenge steigern wollten“, berichtete ein Angehöriger nach Angaben des Arbeitsschutzamtes einem Journalisten. Es sei gedroht worden, dass sie ihre Arbeit einstellen müssten, wenn sie nicht die Anweisungen befolgten, hieß es auf der Website des Amtes weiter.

Nach der Explosion am Sonntag etwa 8. 000 Meter vom Eingang entfernt behinderten hohe Gaskonzentrationen das Vorankommen der Bergungstrupps. Zuerst müsse die Ventilation, die schwer beschädigt worden war, wieder hergestellt werden, berichtete Zhao Tiechui, Vizedirektor des Provinzamtes für Produktionssicherheit. Die Provinzregierung ordnete einen Förderstopp in allen Gruben an, die reich an Gasvorkommen sind, um die Sicherheit zu überprüfen. Gas steckt hinter der Hälfte aller Grubenunglücke in China.

Die Explosion überraschte 293 Arbeiter unter Tage. 127 konnten lebend gerettet werden. 43 wurden verletzt, elf von ihnen schwer. Die meisten erlitten Gasvergiftungen.

Die Tragödie in dem staatlichen Bergwerk ist der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Grubenunglücken in China. Bei vier anderen größeren Unfällen in den vergangenen fünf Wochen sind bereits 265 Bergleute ums Leben gekommen.

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