Arbeiten nach Hinweis geprüft
Leibniz-Preis-Verleihung ohne Karlsruher Forscherin

Wie gewonnen, so zerronnen? Die Verleihung der Leibniz-Preise ist vorüber – aber einer der zehn Preisträger fehlte. Nach anonymen Hinweisen erhält eine Karlsruher Forscherin die Auszeichnung vorerst nicht.
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KarlsruheWegen anonymer Hinweise zu ihren Forschungsarbeiten ist die Verleihung des Leibniz-Preises an die Karlsruher Materialwissenschaftlerin Britta Nestler kurzfristig abgesagt worden. „Diese Hinweise bedürfen der Prüfung“, sagte am Mittwoch Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die den Leibniz-Preis vergibt. Den übrigen neun Forschern wurde die mit jeweils 2,5 Millionen Euro dotierte Auszeichnung am Nachmittag verliehen.

Nestler blieb der Veranstaltung fern. Bis zur Klärung der Vorwürfe liegt für sie die Ehrung auf Eis, teilte die DFG mit. Die sehr kurzfristig gefällte Entscheidung begründete die DFG mit anonymen Hinweisen im Zusammenhang mit Arbeiten Nestlers. Diese seien der DFG erst Anfang der Woche zugespielt worden und würden aktuell geprüft, sagte ein Sprecher. Einzelheiten zu den Hinweisen gegen die Materialwissenschaftlerin, die am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) forscht, nannte er nicht.

Es gehe um Arbeiten Nestlers im Rahmen mehrerer von der DFG geförderter Projekte, sagte der Sprecher weiter. Die anonymen Hinweise seien auf Umwegen zur DFG gekommen. Zuvor hatte der Südwestrundfunk (SWR) über die Absage berichtet. Die Forscherin selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Eine Sprecherin des KIT äußerte sich ebenfalls nicht zu Einzelheiten. Nestler sei eine unter Fachkollegen „anerkannte und geschätzte Wissenschaftlerin, die in ihrem Forschungsgebiet führend ist“, hieß es dort lediglich. Die 44-jährige Lehrstuhlinhaberin beschäftigt sich mit computergestützter Materialforschung: Mithilfe von Simulationsverfahren können etwa bestimmte Werkstoffe designt oder ihre Eigenschaften vorhergesagt werden.

Die Hinweise würden jetzt inhaltlich und juristisch geprüft, so der DFG-Sprecher. Mit Nestler habe man ausführlich telefoniert; die Prüfung finde im Einvernehmen statt. Des Weiteren sei ihre Anhörung geplant; dann werde der zuständige DFG-Ausschuss die Sachlage bewerten.

Im Jahr 2005 hatte es den Angaben zufolge schon mal einen solchen Fall gegeben, als die Verleihung des renommierten Preises an eine Frankfurter Kardiologin ausgesetzt werden musste. Die Vorwürfe entpuppten sich als haltlos; Monate später erhielt die Forscherin die Auszeichnung doch noch.

Der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG für herausragende Arbeiten im Bereich der Wissenschaft vergeben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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