Auf der Straße der Schlaumeier
Start der "Sesamstraße" war ein Politikum

Vor 35 Jahren gründete Joan Cooney die „Sesamstraße“. Seitdem haben Ernie, Bert und Kermit Millionen Kindern Geometrie, Rechtschreibung und Toleranz beigebracht. Inzwischen läuft die Show in 140 Ländern.

In der Folge 3991 muss Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, seine diplomatischen Fähigkeiten beweisen. Die sechs kleinen Monster vor ihm haben sich in den Haaren. Wer darf denn nun das Alphabet-Lied singen? Der Herr im grauen Anzug spricht den Streithähnen ins Gesicht: „Gibt es ein Problem?“ Die schauen ihn nur verdutzt an. „Warum singt ihr nicht alle zusammen?“, schlägt Annan vor. Die Monster zieren sich erst, doch dann singen alle zusammen mit dem Diplomaten. Die Erkenntnis: Es geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Monster verabschieden den UN-Chef mit einer innigen Umarmung.

Joan Cooney hat diese Szene bestimmt gefallen. Die 75 Jahre alte Journalistin mit dem stets perfekten Outfit gründete die „Sesamstraße“ vor 35 Jahren durchaus mit einer politischer Intention. Es war die Zeit, als Amerika von heftigen Rassenunruhen erschüttert wurde, als viele Kinder in trostlosen, slum-ähnlichen Vierteln einen Großteil ihrer Zeit vor dem Fernseher herumlungerten. Unterprivilegierte Kinder, so hatte Cooney festgestellt, lagen bei Schulbeginn in ihrer Entwicklung ein bis zwei Jahre hinter Mittelklasse-Kids zurück. Doch sie hatten einen Vorteil: Sie waren besonders aufnahmefähig für Werbespots. Die zündende Idee kam Joan Cooney dann bei einer New Yorker Dinner-Party: Warum sollte man beides nicht kombinieren und das Fernsehen zum Hilfslehrer für benachteiligte Kinder machen?

Für ihr Konzept fand Cooney zunächst kaum Unterstützung. Doch dann sammelte sie mühsam acht Millionen Dollar zusammen – heute wären das immerhin 40 Millionen. Die Vorbereitungen für die Sendung waren entsprechend aufwändig. Ihren wichtigsten Mitstreiter fand Cooney in Jim Henson, der damals in einem dunklen Hinterhof in Manhattan „Muppets“ herstellte – eine Kombination aus „Moppet“ (kleines Kind) und „Puppet“ (Handpuppe). Nur ein Name für die Show musste noch gefunden werden. „Wir schwankten zwischen ,The Video Classroom’ und der ,Nitty Gritty Itty Bitty Kiddy Show’“, erinnert sich Cooney. Erst in letzter Minute kam die Crew auf die Idee, nach dem Zauberspruch „Sesam, öffne Dich“ die Sendung „Sesamstraße“ zu taufen.

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