Bären-Debatte
„Problembär“ hätte nicht sterben müssen

Auch nach seinem Abschuss sorgt Braunbär "Bruno" weiter für Diskussionen. Der Bärenanwalt der österreichischen Bundesforste, Walter Wagner, ist der Ansicht: Der Tod des Tieres hätte vermieden werden können - mittels Früherkennung und rechtzeitiger Umerziehungsmaßnahmen.

HB MÜNCHEN. Wären seine Probleme früher erkannt worden, hätte der Braunbär „Bruno“ vielleicht eine Chance gehabt. „Je früher man beim 'Problembär' eingreift, desto eher ist eine Chance zur Umerziehung gegeben“, sagte der oberösterreichische Bärenanwalt Walter Wagner. „Aber im Nachhinein ist man immer klüger.“ Ziel sei es nun, „Problembären“ schneller zu erkennen und entsprechend einzugreifen: „Risikobären müssen aus der Wildbahn genommen werden.“

Dass „Bruno“ ausgerechnet an der Rotwand so lange von Menschen beobachtet werden konnte, die finnischen Jäger hingegen zwei Wochen lang vergeblich auf seiner Fährte waren, sei teils ein Zufall. Teils habe „Bruno“ aber auch bereits gelernt, sich nicht allzu lange aufzuhalten, wenn Hunde in der Nähe waren.

Bereits Mitte Mai habe der junge Bär aus dem italienischen Trentino im Raum Vorarlberg zwei Holztüren zu einem Schafstall aufgebrochen, Schafe gerissen - und am Ende das Schweinefutter aufgefressen. Es sei klar gewesen, welches Ende er nehmen würde, „wenn er so weitermacht“. Es sei für ein Wildtier nicht normal, wenn es ohne Scheu nah an menschliche Siedlungen oder Hütten herankomme und ungeniert sein Bad nehme, während Wanderer in nächster Nähe zusähen. „Das ist kein normales Verhalten - aber dass er das gelernt hat, ist nicht die Schuld des Bären.“

Bevölkerung soll sich auf neue Bären vorbereiten

Nach „Brunos“ Abschuss wollen Experten unter anderem aus Italien, der Schweiz, Österreich und Bayern Anfang Juli in Trient über ein gemeinsames Bärenmanagement beraten. Wagner: „Es gibt keine italienische Bären, keine österreichischen Bären und keine bayerischen Bären - das Ziel sind Alpenbären.“ Aus dem italienischen Trentino oder Österreich, wo es derzeit insgesamt zehn Jungbären gibt, könne schon bald erneut ein Bär nach Deutschland wandern. Darauf müssten sich Behörden und Bevölkerung vorbereiten. „Es ist ja ein Armutszeugnis, wenn wir afrikanische Elefanten und indische Tiger schützen, und die Tiere vor der Haustür können wir nicht schützen“, sagte Wagner. In armen Ländern zerstörten Wildtiere oft die ganze Ernte der Ärmsten, hier zu Lande gehe es um ein paar Schafe. Allerdings müsse es einen Schadensfonds oder eine Versicherung für gerissene Tiere geben, die Bevölkerung müsse den richtigen Umgang mit dem Wildtier lernen. „Bären läuft man nicht nach“, sagte Wagner mit Blick auf Wanderer, die „Bruno“ am Wochenende im Rotwandgebiet gefolgt waren.

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