Benedikt XVI. im Amt: „Die Kirche ist jung“ - Hunderttausende jubeln
Großer Jubel für demütigen Papst

Vor 350 000 Menschen und Staatsgästen aus aller Welt ist Papst Benedikt XVI. am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom feierlich in sein Amt eingeführt worden. „Die Kirche lebt. Die Kirche ist jung“, rief Joseph Ratzinger (78) bei strahlendem Sonnenschein unter stürmischem Beifall.

HB ROM. Demütig nannte er sich einen „schwachen Diener Gottes“ und beschwor erneut die Einheit der Christen. Der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren betonte, er wolle sein Amt in Kollegialität ausführen. In ganz Deutschland läuteten am Mittag die Glocken katholischer Kirchen. Die Gläubigen waren aufgerufen, für den Papst zu beten.

In seiner bildhaften und spirituellen Predigt rief Benedikt die Menschheit zum Glauben auf. Dabei erinnerte er mehrfach an seinen Vorgänger Johannes Paul II. Zehntausende Deutsche, überwiegend aus Ratzingers bayerischer Heimat, waren bei der feierlichen Amtseinführung dabei. Der Pontifex machte nach seiner gut 35- minütigen, italienisch gehaltenen Predigt einen entspannten und heiteren Eindruck. Mehrfach winkte er den Menschenmassen auf dem Platz zu.

Mit eindringlichen Worten verurteilte der 78-Jährige Gewalt und totalitäre Ideologien. Armut, Hunger und Einsamkeit dürften sich nicht weiter ausbreiten. „Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe“, rief er den Menschen zu. „Wie oft wünschten wir, dass Gott sich stärker zeigen würde. Dass er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen.“ Aber die Welt werde durch die Ungeduld der Menschen verwüstet - und durch die Geduld Gottes erlöst. „Wer glaubt, ist nie allein“, sagte Benedikt.

Nach einem neuen Ritus hatte Ratzinger erstmals zu Beginn der rund zweistündigen Feierlichkeiten mit kirchlichen Würdenträgern am Grab des Apostels Petrus unter dem Petersdom gebetet. Der Apostel Petrus gilt nach kirchlicher Überlieferung als erster Papst. Begrüßt von stürmischem Beifall schritt die Prozession der Kardinäle mit dem Papst an der Spitze dann ins Freie zum Altar. Umhüllt von einem golddurchwirkten Priestergewand grüßte Benedikt die Menschen. Erstmals in der Neuzeit wurde dem Pontifex bei der Messe eine mit fünf roten Kreuzen - die fünf Wundmale Jesu symbolisierend - bestickte lange Wollstola umgelegt. Diese Form des Palliums war im ersten Jahrtausend Tradition, als Ost- und Westkirche noch nicht getrennt waren. Neu gestaltet war auch der Ring, den der Papst bekam. Die Menschen auf dem Petersplatz klatschten Beifall, als hohe Kurienkardinäle Ratzinger den Ring über den Finger streiften und die weiße Wollstola über die Schulter legten. Der Ring ist das Symbol für den ersten Papst Petrus, den „Menschenfischer“. Das Pallium aus Lamm-Wolle weist auf die Aufgabe des Papstes als obersten Hirten hin.

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