„Bergbau“ im Flachland
Holland träumt vom Schnee

Deutschland frohlockt. Die Schweiz macht sich Sorgen. Und Holland lacht über einen echten Sommerloch-Ulk: Einen eigenen Schneeberg fürs platte Land. Doch warum eigentlich nicht, fragt sich so mancher.
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Amsterdam„Het was een grapje!“. Es war doch nur ein Witz. Vergeblich beteuert Thijs Zonneveld, einst Profiradrennfahrer und heute Sportjournalist: Seine Anregung, in Holland einen 2000 Meter hohen Berg für Skifahrer, Rodler, Wanderer und Mountainbiker aufzuschütten, sei nicht ernst gemeint gewesen. „Ganz egal, wir wollen ihn jetzt, unseren Alpenberg“, hört man überall im Land. Und fast täglich melden sich mehr oder minder glaubwürdige Experten mit Vorschlägen zu Wort, wie „De Nederlandse Berg“ aussehen, wo und wie er errichtet werden könnte. 

Unter der Überschrift „Berg!“ hatte Zonneveld in einer Schmonzette bemängelt: „Diese Land ist platt. Laaaaangweilig platt. Polderplatt.“ Das wäre ja nicht weiter schlimm, sinnierte er, wenn der Mangel an Bergen nicht so verheerende Folgen für den niederländischen Sport hätte. Hollands Radrennfahrer würden bei Bergetappen ebenso blass aussehen wie die Alpinsportler des ansonsten doch so erfolgreichen Landes hinter den Deichen, monierte er. 

In Windeseile wurde die Kolumne im Netz verbreitet. Und immer mehr Holländer lachten über Sätze wie diesen: „Es ist kein Zufall, dass niederländische Rennrodler sich bei den Olympischen Spielen in die Hosen machen, wenn sie oben an der Bahn stehen: So ein Berg ist halt verdammt hoch für Menschen, die es gewohnt sind, unter dem Meeresspiegel zu leben.“ 

Dann geschah, womit der Sportjournalist nicht gerechnet hatte: Viele Wintersportbegeisterte unter den Holländern begannen die Idee zu lieben. Die Idee von einem Berg wurde zum Selbstläufer. Zeichnungen und Modelle, wie er aussehen und wo er aufgeschüttet werden könnte, machten die Runde. So erschien die Zeitung „Algemeen Dagblad“ mit einer Fotomontage, auf der eine Kopie des japanischen Vulkans Fuji etwa auf der Breite der Käsestadt Alkmaar an den Nordseestrand verfrachtet worden war.

Und warum sollten sich die Niederländer eigentlich nicht zutrauen, etwas zu bauen, das ihre mit 322,7 Meter höchste Erhebung, den Vaalserberg, um ein Vielfaches überragt? Schließlich haben sie weite Teile ihres Königreichs - darunter die künstlich geschaffene Provinz Flevoland - dem Meer abgerungen. Wer sowas kann, der kann auch Berge versetzen beziehungsweise auftürmen, findet zum Beispiel Martin Dubbeling vom Ingenieurbüro SAB. „Das ist alles eine Frage, wie viel Unterstützung es für so ein Projekt gibt. Als die Franzosen und Engländer mit der Idee eines Tunnels unter dem Ärmelkanal kamen, dachten auch viele, das würde nicht gehen.“ 

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