Berlinale
Die Hollywood-Lücke

An Glamour fehlt es auf der Berlinale 2008 nicht, doch der Schein trügt: Der Kinofilm steckt in einer tiefen Krise. Im vergangenen Jahr verbuchten die deutschen Kinos einen Besucherschwund von acht Prozent; der Marktanteil deutscher Filme sank. Ob es dieses Jahr aufwärts geht, ist angesichts des Konfliktes in Hollywood ungewiss. Die Dauerkrise des Kinos.

BERLIN. Deutschlands größtes Filmfestival hat mit dem Konzertfilm „Shine a Light“ des Hollywood-Regisseurs Martin Scorsese bereits am Eröffnungstag für einen Paukenschlag gesorgt. Der Oscar-Gewinner Scorsese tänzelte gemeinsam mit den betagten Rolling Stones über den roten Teppich am Potsdamer Platz. Ein Blitzlichtgewitter wie sonst am Sunset Boulevardbrachte eine filmreife Kulisse.

Doch der schöne Schein der 58. Berlinale trügt. Der Kinofilm steckt tief in der Krise. „Das Kino steht unter massivem Konkurrenzdruck. Längst setzen den Filmtheatern nicht nur immer neue Fernsehkanäle zu, sondern auch die DVD und das Internet mit seinen Bewegtbildern, Computerspielen“, sagt Fred Kogel, Vorstandschef von Constantin Film.

Vom Zauber des Festivals lässt sich der frühere Sat 1-Chef nicht blenden. Kogel ist ein gebranntes Kind. „Das Kinojahr 2007 war schwierig. Der Filmverleih hat uns im vergangenen Jahr Verluste beschert. Wir haben uns in den anderen Geschäftsfelder angestrengt, um diese Verluste auszubügeln“, berichtet er.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Im vergangenen Jahr kamen über acht Prozent weniger Besucher in die deutschen Kinos. Nach Angaben der Berliner Filmförderanstalt gingen die Einnahmen um 5,7 Prozent auf rund 768 Mill. Euro zurück. Der Marktanteil deutscher Filme sank auf 18,9 Prozent. Im Vorjahr war es noch knapp 26 Prozent gewesen. Ob dieses Jahr besser wird, steht trotz des öffentlichen Zweckoptimismus in den Sternen. Denn es gibt zahlreiche Risiken: „Die Fußball-Europameisterschaft im Sommer ist eine massive Konkurrenz. Im Vergleich zur WM vor zwei Jahren fehlt uns diesmal ein Sönke-Wortmann-Film über die deutsche Nationalmannschaft“, sagt Kogel.

Hinzu kommt der seit Anfang November laufende Streik der Drehbuchautoren in Hollywood. „Durch den Streik in Hollywood ist eine Lücke gerissen worden“, berichtet Filmproduzent Kogel. Die Produktionspause wird sich in den Filmtheatern weltweit negativ bemerkbar machen.

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