Brand im Grenfell Tower
In allen Belangen katastrophal

Nach der Brandkatastrophe in London kommen beunruhigende Details zu Tage. Der Hersteller der Fassadenverkleidung hat offenbar selbst vor Brandgefahr gewarnt. Mittlerweile gelten Dutzende Häuser als gefährdet.
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LondonDie Tests hätten nicht schlechter ausfallen können: Den Brandschutz in 60 Hochhäusern haben Experten inzwischen in Großbritannien geprüft. Alle Gebäude sind durch die Bank durchgefallen, darunter sind Häuser in Städten wie Manchester, Plymouth und Portsmouth. Bei Hochhäusern im Londoner Stadtteil Camden waren die Mängel so gravierend, dass alle insgesamt etwa 4000 Bewohner evakuiert werden mussten.

Insgesamt müssen 600 Gebäude auf der Insel überprüft werden. Auslöser ist der verheerende Brand in einem Wohnturm im Londoner Westen. Bei dem Feuer im Grenfell Tower, das vor knapp zwei Wochen durch einen defekten Kühlschrank zustande gekommen ist, sind mindestens 79 Menschen umgekommen. Ermittlern zufolge haben die Gebäudeverkleidung und Isolierung die Sicherheitstests nicht bestanden und offenbar den Brand massiv beschleunigt.

Der Grenfell Tower war in den Jahren 2015 und 2016 saniert worden und hat eine neue Fassade bekommen. Die Ermittler haben daher alle Unternehmen ins Visier genommen, die daran beteiligt waren – darunter ist auch Arconic, der Hersteller der Aluminium-Kunststoffplatten für die Fassadenverkleidung.

E-Mails, die Arconic an Bauunternehmen geschickt habt, die an dem Ausschreibungsverfahren für das Projekt beteiligt waren und die die Nachrichtenagentur Reuters gesehen hat, werfen vor allem eine Frage auf: Warum hat Arconic leicht entflammbare Verbundplatten für die Fassade des Grenfell Towers geliefert, obwohl das Unternehmen selbst vor den damit verbundenen Gefahren gewarnt hatte? In einer Broschüre soll der Hersteller angegeben haben, dass diese Platten eigentlich nur für Gebäude bis zu einer Höhe von 10 Metern geeignet seien. Der Grenfell Tower ist mehr als sechs Mal so hoch.

Auf Anfrage von Reuters erklärte das Unternehmen: Man habe es nicht als seine Aufgabe angesehen zu entscheiden, was mit den örtlichen Bauvorgaben konform sei. „Wir veröffentlichen grundsätzliche Nutzungsrichtlinien, doch die Regulierungsvorschriften variieren von Land zu Land und müssen von den Experten vor Ort bestimmt werden.“

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