Bush sprach mit Chretien
Millionen US-Haushalte noch ohne Strom

Die Stromversorgung in den USA und Kanada hat sich auch zwei Tage nach dem größten Stromausfall in der Geschichte des Kontinents noch nicht vollständig normalisiert. Nach wie vor waren im Nordosten der USA und im Südosten Kanadas nach US- Medienberichten mehr als zehn Millionen Haushalte ohne Strom. In vielen Städten gab es zudem Probleme mit der Wasserversorgung. Auch der Verkehr wurde noch beeinträchtigt, viele Flüge hatten Verspätung oder wurden gestrichen.

HB/dpa NEW YORK/WASHINGTON. Wie am Samstag bekannt wurde, hatten am Vorabend US-Präsident George W. Bush und Kanadas Premierminister Jean Chretien über den gigantischen Blackout gesprochen, von dem zeitweise mehr als 50 Millionen Menschen in Nordamerika betroffen waren. Eine gemeinsame Kommission soll nun die Hintergründe analysieren. Bush hatte zuvor schon betont, dass das veraltete Stromnetz der USA unbedingt modernisiert werden müsse. Bush lobte die „besonnene Art und Weise“, mit der die Betroffenen die Krise meisterten.

Auch nach der Rückkehr des Stroms in vielen Städten - so am Samstagvormittag (Ortszeit) vollständig in den Bundesstaaten Ohio und Michigan - hatten die Menschen mit den Auswirkungen des Stromausfalls zu kämpfen. In Cleveland am Erie-See (Ohio) wurden die Bürger aufgerufen, Trinkwasser das gesamte Wochenende über abzukochen. Die Behörden befürchten, dass das Trinkwasser wegen ausgefallener Pumpanlagen und Notfallsysteme verschmutzt sein könnte. Die Nationalgarde hatte Notversogungsstationen eingerichtet.

Die Autometropole Detroit litt unter Benzinmangel. Nach dem Stromausfall hatten die meisten Tankstellen geschlossen. Die Gouverneurin von Michigan, Jennifer Granholm, hatte am Freitag den Notstand für die Stadt ausgerufen und Hilfslieferungen mit Benzin per Schiff auf den Weg geschickt.

Hunderte Techniker der Elektrizitätswerke arbeiteten weiter an der Behebung der Schäden. Ermittler der Stromindustrie gehen nach einem Bericht des Senders CNN davon aus, dass der Auslöser für den Blackout der Ausfall einer Leitung in Cleveland am US-Ufer des Erie-Sees war. Die 345 000-Volt-Leitung sei um 15.06 Uhr am Donnerstag ausgefallen und habe wahrscheinlich die Kettenreaktion ausgelöst, die binnen Minuten über 20 Elektrizitätswerke lahm legte. Das Stromnetz an den Großen Seen an der Grenze zwischen USA und Kanada hatte bereits in der Vergangenheit Probleme bereitet.

In New York funktionierte nach Angaben der Behörden am Samstag der U-Bahn-Verkehr wieder. Das Leben normalisierte sich aber auch hier nur langsam. Der wirtschaftliche Schaden sei erheblich, hieß es. Seit am Donnerstag der Strom wegblieb, entgingen den Unternehmen der Millionenstadt nach Schätzungen vom Samstag Einnahmen in Höhe von rund 750 Millionen Dollar (rund 670 Millionen Euro). Die Stadtkasse rechnet mit Steuerausfällen in Höhe von etwa 40 Millionen Dollar. Zugleich müssen die Kosten für die Bewältigung der Krise beglichen werden. Allein für die Überstunden von Polizisten, Feuerwehrleuten und anderen städtischen Angestellten werden rund 10 Millionen Dollar kalkuliert.

In einer Bilanz berichtete der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, dass während der Krise rund 3000 Mal die Feuerwehr gerufen worden sei. In meisten Fällen hätten Kerzen Brände ausgelöst. Mit 80 000 Notrufen hätten bei den Rettungsdiensten doppelt so viele Menschen wie sonst in vergleichbaren Zeiträumen angerufen. Nach Angaben des New Yorker Gouverneur George E. Pataki wurden rund 400 000 Fahrgäste aus U-Bahnen und Pendlerzügen gerettet.

Die Behörden führten zwei Todesfälle in Ottawa und einen in New York auf das Versorgungschaos zurück. Teile Kanadas waren in der Nacht zu Samstag immer wieder von weiteren Blackouts heimgesucht worden. Die Europäische Union (EU) hatte bereits gesetzliche Schritte eingeleitet, um Strom-Ausfälle und -Engpässe zu verhindern. Eine bereits Mitte Juli veröffentlichte Richtlinie, also ein EU-Gesetz, müsse zum 1. Juli 2004 in den Ländern jeweils in nationales Recht umgesetzt werden, sagte ein Sprecher der EU- Kommission der dpa am Samstag in Brüssel.

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