China-Lexikon
Konfuzius

Die 2500 alten Lehren des Philosophen prägen die Chinesen bis heute.

fmk SCHANGHAI. Kaum eine Figur steht im Westen so für die Denkweise des alten China wie Konfuzius. Nicht nur bei TV-Talkmaster Harald Schmidt tauchten jahrelang die Restaurantbesitzer Li und Wang mit angeblichen Sprüchen des Meisters auf. In Massenmedien muss der Konfuzianismus immer wieder als Erklärung für Asiens Eigenheiten herhalten.

Konfuzius wurde im sechsten Jahrhundert vor Christus in Qufu in der heutigen chinesischen Provinz Shandong geboren. Er hatte offenbar zeitlebens wenig Geld – dafür aber die Mission, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Auf historischen Bildern wird er in der Regel mit einer hohen Stirn, spitzem Kinn- und einem langen Schnurrbart dargestellt.

Zentrale Themen seiner Lehren sind ehrliche Politik und gute Lebensführung. Der Mensch soll sich auf fünf Tugenden besinnen: Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Sittlichkeit, Weisheit und Aufrichtigkeit. Wer diesen Tugenden folge, verändere sich zum Guten, sagt Konfuzius.

Die Kernpunkte von Konfuzius' Lehre sind in dem Buch mit dem Titel „Gespräche“ zusammengefasst. Darin haben seine Schüler die Dialoge mit dem Meister und seine Weisungen aufgezeichnet.

So fordert Konfuzius die Menschen stets zum Selberdenken auf. Er schätzt Toleranz und lehnt niemanden wegen niedriger Geburt oder Armut ab. Die Eltern zu ehren und alte Rituale zu beachten sind seiner Moralschule zufolge wichtig. Darin zeige sich der Respekt vor einer guten Ordnung der Welt.

Zentralstaatliche Ideologen verkehrten diese Lehren später jedoch ins Gegenteil. Aus der Forderung von Konfuzius nach einem korrekten Verhältnis zwischen Herrschendem und Untertan leiteten sie eine Aufforderung zum Gehorsam ab.

Der Blick in den Originaltext macht dagegen deutlich, dass Konfuzius eine Regierung bevorzugte, die im Sinne des Volkes handelt. Die Mächtigen sollten gerecht, gütig, großzügig und uneigennützig handeln.

Zwar herrschten zu seinen Lebzeiten Erbfürsten in China; Wahlen waren undenkbar. Konfuzius forderte aber die nächstbeste Variante: Der fähigste Mann im Lande sollte statt des Königs als Premierminister regieren und auf die Stimme der einfachen Leute hören.

Die „Gespräche“ waren bis vor hundert Jahren die Bibel des chinesischen Berufsbeamtentums. Zur Zeit Maos wurde die Lehre des Konfuzius verteufelt und als reaktionär verschmäht. Heute erlebt sie eine neue Blüte. | fmk/slo

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